4. September 2016

„Die Analphabetin, die rechnen konnte“ von Jonas Jonasson


Hallo, liebe Literaturjunkies!

Jonas Jonasson konnte mich mit Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand mit seinen skurrilen und witzigen Charakteren, aber auch mit der unsagbar amüsanten Geschichte begeistern. Mit seinem zweiten Roman erhoffte ich mir eine ebenso spannende und humorvolle Geschichte und ich habe nicht daran gezweifelt, dass Jonasson es wieder schafft, mich in den Bann zu ziehen.


Kurz und knapp

Nombeko lebt im größten Slum Südafrikas und alles deutet darauf hin, dass sie früh sterben wird. Mit fünf fing sie an zu arbeiten, mit zehn starben ihre Eltern und mit fünfzehn wird sie von einem Auto überfahren. Was sie kann: rechnen. Der Unfallverursacher stellt Nombeko bei sich als Putzfrau ein, doch erteilt er ihr immer mehr Aufgaben, auch im Bereich der Verwaltung seines Ingenieurbüros. Er ist nämlich mit einer nicht sehr hoch ausgebildeten Intelligenz gesegnet und da kommt Nombeko ihm gerade recht. Jahrelang hilft sie ihm bei der Planung von Atomwaffen, doch durch ein unglückliches Schicksal, bei dem der Ingenieur sich verzählt hat, existiert nun eine Atombombe, die eigentlich nicht existieren dürfte. Ihr Weg führt sie nach dem Tod des Ingenieurs nach Schweden und dort in die Hände von Holger und Holger, zwei Brüdern, die nicht unterschiedlicher hätten sein können.


Meine Meinung


„Der Unterschied zwischen Genialität und Dummheit ist der, dass die Genialität ihre Grenzen hat.“
Seite 7


Mit diesen Worten beginnt die Lektüre und gibt mir sogleich ein wunderbares Gefühl von schwarzem Humor und Spannung. Bereits das Debüt Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand konnte mich derart begeistern, dass ich sofort das zweite Buch lesen wollte. Recht schnell, nachdem ich es gekauft habe, beschloss ich, es auch tatsächlich zu lesen, denn gerne wollte ich wieder in die skurille Welt abtauchen, in die Jonasson mich sicherlich mitnehmen würde.

Anfangs tauchen mehrere Charaktere zugleich auf, doch da Jonasson von jedem die Geschichte erzählt, kann man sie schnell auseinanderhalten und vor allem den unterschiedlichen Berufen und Ländern zuordnen. Da gibt es Nombeko, die in Südafrika lebt und dort durch einen unglücklichen Zufall als Putzfrau bei dem Ingenieur Engelbrecht van der Westhuizen, der seinerseits nichts auf die Reihe bekommt. Dann gibt es Ingmar Qvist, der mit der Regierungsform in Schweden überhaupt nicht zufrieden ist und den König stürzen will. Seine Söhne Holger und Holger erleben eine ungewöhnliche Kindheit, denn während Holger 1 einen Pass und einen Führerschein besitzt, existiert Holger 2 eigentlich gar nicht. Ingmar war es wichtig, seine Söhne in seinen eigenen Ansichten zu lehren und schickte daher immer erst den einen Sohn in die Schule und am Tag darauf den anderen. Holger 1 entwickelte sich ganz nach den Vorstellungen seines Vaters, doch Holger 2 vertrat diese Ansichten nicht. Leider war Holger 1 nicht sonderlich intelligent und beschehrte seinem Bruder noch so einiges. Dann gibt es noch zahlreiche Minister und Präsidenten, zwei Frauen und den König. Sie alle kommen teilweise durch Zufälle, teilweise aber auch durch beabsichtigte Treffen aufeinander und daraus entwickelt sich bald eine unglaubliche Geschichte, die sehr amüsant ist.

Der Roman heißt Die Analphabetin, die rechnen konnte und schnell wird klar, dass damit Nombeko gemeint ist, die im größten Slum Südafrikas aufwächst. „Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Analphabetin im Soweto der Siebzigerjahre aufwächst und eines Tages mit dem schwedischen König und dem Ministerpräsidenten des Landes in einem Lieferwagen sitzt, liegt bei eins zu fünfundvierzig Milliarden siebenhundertsechsundsechzig Millionen zweihundertzwölftausendachthundertzehn. Und zwar nach der Berechnung eben dieser Analphabetin.“ (Zitat aus dem Roman) Nombeko kann nicht lesen und nicht schreiben, aber sie kann rechnen und das bringt sie gewissermaßen um die ganze Welt. Sie ist die Protagonistin, die immer wieder auftaucht und von der wir alles mitbekommen. Nebenbei spielen sich weitere Geschichten ab, die jedoch zu einer zusammenlaufen.


„Doch Bücher hatten einfach etwas Sympathisches, ihre bloße Existenz war erfreulich.“
Seite 33


In diesem Roman vermischen sich Spannung, Humor und Intelligenz, die eine wahrlich skurille Mischung ergeben. Ganz abgesehen von den vorzüglichen Protagonisten. Einige liebt man, andere hasst man. Die Brüder Holger und Holger sind ein wunderbares Paradebeispiel dafür. Da Holger 1 überhaupt nicht sonderlich intelligent ist, keine eigenen Ideen hat und einfach alles in einer Katastrophe endet, liebt man Holger 2 umso mehr. Dieser ist sehr schlau, doch steht sein Leben immer wieder Kopf, weil sein Bruder seine Arbeit wieder einmal zerstört hat. Dies führte bei mir vor allem am Ende zu purer Verzweiflung, wo ich Mitgefühl empfand Holger 2 gegenüber. Dennoch musste ich über genau diese Dummheit auch so oft lachen.

Jeder Charakter besitzt einen besonderen Charme, der der Geschichte etwas Urkomisches verleiht und sie ganz besonders macht. Facettenreich sind die Geschichten der Personen und ziehen den Leser in den Bann.


Fazit

Skurril, aber herzhaft und spannend zeigt und Jonas Jonasson eine weitere wunderbare Welt, die fantastisches Lesevergnügen bietet und begeistert. Die Stimmung schwankt zwischen Freunde und Verzweiflung, Liebe und Hass und dem Wunsch, dass alles gut werden wird, trotz Holger 1, der wahrhaftig an Intelligenz eingebüßt hat.

Verdient hat der Roman ein

Ohnegleichen



Bibliografische Angaben

Die Analphabetin, die rechnen konnte
Jonas Jonasson
Penguin Verlag
443 Seiten
Roman

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