25. Juni 2016

Rezension: „Das Leben, das uns bleibt“ von Susan Beth Pfeffer


Das Leben, das uns bleibt | Susan Beth Pfeffer | Carlsen Verlag | 271 Seiten | Fantasy

Zwei ganz unterschiedliche Familien werden in diesem dritten und letzten Band zusammengeführt, wie ich es mir gewünscht habe. Denn wie sonst soll die Verbindung vom ersten und zweiten Teil zum dritten gelegt werden.

Ein Jahr, nachdem der Asteroid auf dem Mond eingeschlagen ist und ihn aus seiner Umlaufbahn geworfen hat, wird die Ungewissheit immer größer. Keiner kann mehr sagen, ob das Leben jemals wieder normal werden wird. Ob es Lebensmittel wieder im Supermarkt zu kaufen gibt, ob die Menschen wieder arbeiten gehen, lernen, duschen, baden, feiern, lesen oder fernsehen. Niemand weiß, wie viele Menschen noch leben auf der Welt. Die Katastrophen haben ganze Städte ausgelöscht und auf dem Land existieren nur noch eine handvoll Familien. Alle, die jetzt noch übrig sind, kämpfen immer mehr gegen den Hunger und das Überleben im milden Sommer und im eiskalten Winter. Miranda und ihre Familie lebt noch. Jeden Montag gehen sie in die Stadt um die Lebensmittel abzuholen, doch es werden immer weniger. Tag für Tag schuften sie und hacken Holz, damit sie im Winter nicht erfrieren. Dann steht plötzlich ihr Vater mit seiner Freundin und dem kleinen Gabriel vor der Tür. Und sie sind nicht alleine. Alex, Julie und Charlie, drei liebenswürdige Personen, die sie in einem Evakuierungslager kennen gelernt haben, sind bei ihnen und Miranda kann es kaum glauben, dass ein Junge in ihrem Alter in ihr Haus einzieht. Doch das Gute hat auch seine schlechten Seiten. Wie sollen sie weitere fünf Personen und ein Baby ernähren? Glücklicherweise gibt die Stadt weitere Lebensmittel aus. Alex möchte weg und seine Schwester Julie in ein Kloster bringen, doch er hat sich in Miranda verliebt. Und auch Miranda möchte Alex nicht gehen lassen. Als das Glück perfekt scheint, geschieht das Unfassbare und zerstört abermals das Glück der Familie. Was jetzt noch zählt, ist einzig und allein die Liebe.

„An diesem Punkt wurde der Traum zum Albtraum. Ich wollte ihr das Sonnenlicht beschreiben. Doch ich konnte mich plötzlich nicht mehr erinnern, wie der Himmel ausgesehen hatte, bevor er von den Aschewolken verdeckt wurde. Ich wusste nicht mehr, wie blauer Himmel und grünes Gras und gelber Löwenzahn aussahen.“ – Seite 8

Da Leben, das uns bleibt ist der dritte Band der Trilogie und ich habe mir nach den ersten beiden Teilen gewünscht, dass beide Familien, die von Miranda und die von Alex aus New York, zusammenfinden, denn wie sonst sollte der dritte Teil aussehen? Ich wurde nicht enttäuscht. Alex erscheint mit seiner Schwester Julie und Mirandas Vater vor der Tür ihrer Familie und Miranda traut ihren Augen kaum. Nicht nur, dass ihr Vater mit seiner Freundin und dem Baby wieder nach Hause gefunden hat, auch dass ein gut aussehender Junge in ihrem Alter plötzlich bei ihr wohnt. Natürlich ist es da vorhersehbar, dass sie sich ineinander verlieben. Und nicht nur Alex und Miranda haben sich gefunden. Auch Mirandas Brüder Matt und Jon verlieben sich und sind glücklich. Ein Lichtschimmer in diesen dunklen und grauen Tagen. Mittlerweile hat kaum jemand noch die Hoffnung, dass das Leben jemals wieder normal wird. Sie sind froh, wenn sie an einen weiteren Tag glauben können.

Wie im ersten Band wird die Geschichte auch hier aus der Sicht von Miranda als eine Art Tagebuch festgehalten. Wie lesen ihre Tagebucheinträge, während sie diese schreibt, doch sie sind so detailgetreu, dass es dem Leser nur auffällt, wenn sie erzählt, dass sie gerade in ihr Tagebuch schreibt. Das klingt vielleicht etwas verwirrend, doch das ist es keinesfalls. Alle drei Bände gehen sanft ineinander über, was ich vorher nicht gedacht habe und was mich jetzt, wo ich darüber nachdenke, sehr glücklich macht, denn so ist es kein Problem, alle drei Bücher hintereinander zu lesen.

„Das Leben ist unberechenbar. Du denkst, du weißt, wie die Zukunft aussehen wird. Du hast deine Pläne gemacht und alles danach eingerichtet. Und dann geschieht das Unvorstellbare. Das Leben ist voller Überraschungen. War es schon immer. Aber alles Schlechte hat auch sein Gutes. Irgendwo. Du musst es nur erkennen.“ – Seite 202

Dieses Zitat möchte ich auf das Buch übertragen. Auch die Geschichte, die Handlung ist unberechenbar. Wenn man als Leser glaubt, jetzt wird alles gut, alle Protagonisten werden in Frieden und Liebe leben, dann wird es alles, aber ganz bestimmt nicht gut. Gerade zu dieser Zeit passiert das Unvorhersehbare und ein weiterer Schicksalsschlag erschüttert die Familie. Das hat mich viele Tränen gekostet, denn gerade wenn man es nicht erwartet, sitzt der Schock umso tiefer. Ich habe Tränen vergossen und gelacht vor Freunde. Die Geschichte hat ein wahres Gefühlschaos in mir ausgelöst und darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet.

„Die einzige Farbe, die ich noch kenne, ist grau. Grau wie die Asche, der Schmutz und die Trauer.“ – Seite 8

Als Leser wurde ich sanft und gefühlvoll an die Geschichte herangeführt. Ich habe mich aufgehoben gefühlt und wurde mitgerissen durch die Macht der Worte. Susan Beth Pfeffer weiß genau, wann man den Leser überraschen muss und wann es sinnvoll ist, sensibel vorzugehen. Auch der dritte Band der Trilogie konnte mich begeistern und geht direkt ins Herz. Eine Mischung aus Trauer und Freude, die ganz hervorragend ausgespielt wurde.

6 Lesezeichen

Kommentare:

Jasi Ich

Huhu!

Wirklich eine tolle Rezension! :)
Leider kenne ich die Reihe noch nicht, aber nachdem dir der letzte Band so gut gefallen hat sollte ich wohl einen Blick auf den ersten Band werfen. Die Idee der Reihe klingt nämlich sehr nach meinem Geschmack und gerne würde ich mich von diesen Büchern überzeugen lassen. ^.^

Alles Liebe,
Jasi ♥

Marie

Hallo liebe Jasi,

vielen Dank! Ich kann dir alle drei Bände wirklich sehr ans Herz legen und empfehlen. Mir gefielen alle Teile gut, doch der erste gefiel mir noch ein kleines bisschen besser, weil die Geschichte dort so frisch und daher viel intensiver ist. Aber ich denke, auch du wirst von allen dreien begeistert sein.

Liebe Grüße, Marie

Emmily

Liebe Marie,

nach dieser Rezension bin ich mir ziemlich sicher, dass ich mir auch irgendwann die Trilogie kaufen werde. Sie klingt wirklich sehr schön und ich denke, dass ich es nicht bereuen werde. Vielen Dank für deine Rezi :)

Liebste Grüße
Emm

Marie

Liebe Emm,

leider ist es nicht mehr möglich, die Trilogie ohne weiteres zu bekommen. Bei den ersten beiden Bänden ist es noch möglich, aber den dritten Band gibt es leider nicht mehr so leicht zu kaufen, da sie aus dem Sortiment genommen wurden. Aber ich leihe dir diesen Teil sehr gerne aus und vielleicht ergatterst du noch ein Exemplar im Internet.

Liebe Grüße,
Marie

Emmily

Das ist wirklich schade. Aber vielleicht habe ich ja etwas Glück :) Wenn nicht, leihe ich sie mir gerne bei dir aus.

Liebe Grüße
Emm

Marie

Ich wünsche dir ganz viel Glück, denn die Bücher sind wirklich toll!

Schreibe einen Kommentar