27. Mai 2016

Rezension: „Die Verlorenen von New York“ von Susan Beth Pfeffer


Die Verlorenen von New York | Susan Beth Pfeffer | Carlsen Verlag | 350 Seiten | Fantasy

Der lang ersehnte zweite Teil hat mich vom äußeren Erscheinungsbild bereits überzeugt. Die Farbkombination sieht einfach klasse aus und wie beim ersten Band ist der Mond überdimensional dargestellt

Seitdem der Mond aus seiner Umlaufbahn geraten ist, geht es in New York um nichts anderes als um das nackte Überleben. Alex lebt mit seinen Eltern und seinen beiden Geschwistern Bri und Julie mittendrin und glaubt, in der Stadt könne ihm nicht viel passieren. Aber genau dort ist es am schlimmsten. In den Hochhäusern brennt kein Licht mehr, die Aufzüge fahren nicht, Autos verstopfen die Kreuzungen und Plünderer ziehen durch die Straßen, auf der Suche nach Lebensmitteln oder anderen Wertgegenständen, die sie gegen etwas zu Essen eintauschen können. Alex' Eltern sind spurlos verschwunden, doch keiner der drei wagt es zu denken, dass sie das Chaos nicht überlebt haben. Alex, Bri und Julie müssen es alleine durchstehen, doch das ist leichter gesagt als getan. Die Lebensmittel werden immer knapper, die Luft schmutziger und es bleibt wenig Luft zum Atmen. Dann wird Bri krank und plötzlich ist jede Anstrengung zu viel. Um den kalten Keller, in dem sie wohnen, zu meiden, ziehen sie in das zwölfte Stockwerk, doch ohne Aufzug ein wahnsinniger Kraftakt, der ihnen alle Kräfte raubt. Die Schulen haben noch geöffnet und es gibt jeden Freitag eine Lebensmitteltüte pro Person, doch es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das eingestellt wird. Alex weiß, dass ein Überleben nicht möglich ist, doch unmöglich kann er das vor seinen Schwestern sagen. Ebenso wenig, dass die Tatsache immer wahrscheinlicher ist, dass seine Eltern nie wieder zurückkommen werden. Ein bitterer Kampf beginnt in New York, die Stadt, die eine Insel der Armen geworden ist.

Nachdem ich den ersten Band gelesen habe, wollte ich unbedingt die folgenden Bände haben, wobei mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar war, dass es immer um andere Personen geht. Das finde ich allerdings nicht schlimm, denn so hat man eine andere Sicht auf die Dinge, ganz besonders auf die Situation auf dem Land und in der Stadt und wie unterschiedlich die Auswirkungen des Asteroideneinschlags sind. Die Verlorenen von New York berichtet, wie sich die Lage in der Millionenmetropole New York verhält. Zuvor ging es auf das Land und es ist spannend zu sehen, dass es auch in der Stadt zu ähnlichen Situationen kommt, wobei hier das Verhältnis der Menschen untereinander wesentlich schlechter ist als auf dem Land.

„New York ist eine Insel, Alex, und Inseln haben in dieser Welt keinen Bestand, nicht mehr.“ – Seite 264

Die Welt, wie wir sie kannten, der erste Band, konnte mich sehr überzeugen. Es war erstaunlich, dass ich, als ich das Buch aus der Hand gelegt habe, immer dachte, der Asteroideneinschlag sei ebenfalls in meiner Realität passiert und ich habe mich gefragt, was ich nun tun muss, um mich und meine Familie in Sicherheit zu bringen. Das war zwar nach ein paar Sekunden vorüber, doch umso verwirrter war ich. Dieses Gefühl hatte ich in Die Verlorenen von New York nicht, was ich schade fand. Im zweiten Teil geht es um eine andere Familie und eine andere Stadt. Der Übergang ist sehr gut gelungen. Über den Asteroideneinschlag selbst wird nicht mehr berichtet, denn das ist ja bereits im ersten Teil geschehen. Deswegen geht es hier gleich mit der Geschichte los. Der Einstieg ist fantastisch. Spannend erzählt die Autorin, wie sich das Geschehen bei Alex, Bri und Julie abspielt, was ganz anders ist, im Gegensatz zu Mirandas Familie. Alex schreibt kein Tagebuch und das Geschehen wird von einem Erzähler berichtet. Trotzdem sind die Kapitel in unterschiedliche Tage aufgeteilt, wie eine Art Tagebuch, wo die Idee des ersten Bandes wieder aufgegriffen wird.

Insgesamt konnte mich auch der zweite Teil mitreißen und begeistern, doch das Gefühl, Realität und Fiction zu verwechseln, welches im ersten Teil so deutlich zu spüren war, hat hier etwas gefehlt. Die Geschichte ist spannend, aber auch sehr traurig. Wem der erste Teil gefallen hat, wird auch den zweiten mögen. Charaktere und Handlung gehen wieder einmal sehr ans Herz.

5 Lesezeichen

Kommentare:

Emmily

Liebe Marie,

der zweite Teil klingt genauso gut, wie der erste Teil. Vielen Dank für deine wunderbare Rezension. Ich bin schon sehr auf den dritten Teil gespannt.

Liebste Grüße
Emm

Marie

Liebe Emm, das bin ich auch und ich werde gleich berichten, wie es war.

Liebe Grüße, Marie

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