2. April 2016

Rund ums Lesen: „Das ist ja eher ein Jugendbuch, oder?“

Hallo ihr Lieben!

Ein Satz, den jeder Leser mindestens bereits einmal gehört hat und der so oft von Nicht-Lesern stammt: „Das ist ja eher ein Jugendbuch, oder?“ Was soll ich dazu sagen?


Erst am Donnerstag habe ich diesen Satz zu hören bekommen. Ich saß ganz gemütlich und habe Pause gemacht bei der Arbeit und hatte mein Buch auf dem Schoß, da kommt eine Frau an und fragt mich, was ich da lese. Ich zeige ihr also voller Stolz mein Buch, denn es kommt nicht so oft vor, dass man auf das Buch angesprochen wird, welches man gerade liest. Es ist Anders – Der Thron von Tiernan von Wolfgang und Heike Hohlbein, was ich momentan lese. Sie sieht das Cover und sagt: „Das ist ja eher ein Jugendbuch, oder?“. Wirklich, so ein Spruch kann doch nur von jemandem kommen, der nicht liest. Was soll ich denn auf diese Frage antworten? Ganz nebenbei hatte sie noch einen leicht spöttischen und arroganten Ton drauf. Ich sehe es überhaupt nicht ein, mich und meinen Lesegeschmack zu verteidigen. Ich meine, jeder darf das lesen, was er möchte. Selbst wenn ich in 50 Jahren noch ein Buch von Astrid Lindgren lese oder Ähnliches, dann kann ich das tun, wann immer ich möchte. Für Bücher gibt es kein Höchst- oder Mindestalter. Warum also diese Frage? Vielleicht weil man, wenn man nach der Lektüre fragt, so tun muss, als wüsste man irgendetwas darüber? Als begeisterter Bücherwurm freue ich mich immer, wenn ich eine andere Person im Bus oder im Zug lesen sehe. Da würde ich niemals auf die Idee kommen, diese Frage zu stellen, geschweige denn in diesem Tonfall. Ich sage also zu der Frau (wohlwissend, dass es sich nicht um ein Jugendbuch handelt): „Das kann man so und so sehen.“. Natürlich weiß sie darauf nun, da sie ebenfalls keine Ahnung von dem Buch hat, keine Antwort. Auch ich sage nichts mehr. Soll sie sich ihre Antwort doch selber aussuchen. Das ist mir schon öfter passiert und ich verstehe nicht warum die Menschen diese Frage stellen, wenn sie nichts über Bücher oder Genres wissen. Mitten im Satz wird einem ein Gespräch aufgezwungen, wo man sich dann auch noch rechtfertigen soll?
An alle Nicht-Leser: Wenn ihr jemanden lesen seht, dann stellt eine schlaue Frage und das auch nur dann, wenn ihr die Geschichte ansatzweise kennt. Kein Leser möchte sich für seinen Lesegeschmack rechtfertigen, denn das muss nicht sein!

Wie geht es euch damit? Kennt ihr diese Situation?

Alles Liebe,
Marie

Kommentare:

Emmily

Liebe Marie,

ich sehe es genau so wie du. Ab und zu sehe ich im Bus Leute lesen. Mir ist es wirklich egal, was sie lesen, da sie ja mit der Geschichte zufrieden sein müssen und nicht ich. Mich freut es aber, dass sie überhaupt lesen.
Als ich in der Schule einmal "Laura und der Ring der Feuerschlange" von Peter Freund gelesen habe (10. oder 11. Klasse), haben mich meine Mitschüler spöttisch darauf angesprochen, da es ja ein Jugendbuch ist. Ich bin auch der Meinung, dass man alles mit jedem Alter lesen kann. Gute Bücher bleiben gute Bücher.

Mit lieben Grüßen
Emm

Marie

Hallo liebe Emm! Das sehe ich genauso. Gute Bücher bleiben immer gut und man sollte sich nicht dafür schämen.

Liebe Grüße, Marie

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