21. März 2016

Rezension: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson


Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Jonas Jonasson
btb Verlag
413 Seiten
Roman
9,99 €

Aufgrund der schlechten Filmkritik und des großen Lobes für den Roman habe ich beschlossen, mir diese Lektüre zu kaufen und auch zu lesen, denn es hat mich unglaublich neugierig gemacht, was hinter dieser Geschichte steckt und was mit dem Hundertjährigen passiert.

Inhalt
Allan Karlsson hat eigentlich allen Grund zum Feiern, denn heute, am 2. Mai 2005, wird er 100 Jahre alt. Das Problem ist nur, dass er darauf gar keine Lust hat. Allan hat noch alle Sinne beisammen und fühlt sich alles andere als alt. Zu allem Überfluss haben sich an seinem Geburtstag im Altersheim in Malmköping auch noch der Bürgermeister und die Lokalpresse angemeldet, ganz zu schweigen von den ganzen Alten und Schwester Alice, die er einfach nicht leiden kann, weil sie keinen Alkohol erlaubt. Just an diesem Tag beschließt Allan Karlsson, aus dem Fenster zu klettern, mit Pantoffeln ins Reisezentrum zu gehen und wegzufahren. Wohin? Erstmal egal. In Byringe, einem verlassenen Bahnhof, steigt er aus und trifft auf Julius Jonsson, einen Meisterdieb. Allan hat am Bahnhof einen großen Koffer mitgehen lassen, da er darauf aufpassen sollte, als sein Besitzer kurz die Toilette aufsuchen wollte. Allan, Julius und eben dieser Koffer waren nun auf dem Weg in das Haus des Meisterdiebes, wobei sich die beiden Herren auf anhieb verstanden. Nach einigen Gläsern Schnaps und gutem Essen klopft es an der Tür und der Besitzer fordert seinen Koffer zurück. Das ganze Geschreie geht beiden auf die Nerven und kurzerhand sperren sie den Mann in den Kühlraum ein, wo sie ihn dann auch prompt vergessen und er am nächsten Tag das zeitliche gesegnet hat. Daraufhin schauen sie sich den Koffer genauer an, denn es muss schon etwas besonderes drin sein, wenn sein Besitzer Allan hinterher fährt. Und siehe da: 50 Millionen Kronen befinden sich in dem Koffer, alle ordentlich gebündelt und zusammen gelegt. Allan und Julius wissen, dass ihnen die Besitzer auf der Spur sind und beschließen, das Geld zu teilen und sich auf die Reise zu machen, doch zunächst muss der Tote entsorgt werden. Dann kann das Abenteuer losgehen und sie treffen einen Haufen anderer Menschen, die ihnen auf ihrer Reise behilflich sind und wieder und wieder wird die Summe gerecht aufgeteilt. Während sind der Hundertjährige in bester Gesellschaft befindet, sucht die Polizei fieberhaft nach Hinweisen auf seinen Verbleib, doch das gestaltet sich schwieriger als geplant...

Gedanken
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand hat mich von der ersten Seite an begeistert und immer wieder neugierig gemacht. Ein Hundertjähriger, der aus dem Fenster geht und sich dann auf eine doch sehr ungeplante Reise begibt und weitere Menschen trifft, die dann zu sehr guten Freunden werden. Aber vielleicht liegt es gerade daran, dass alles dem Zufall entspringt. Von Allan Karlssons Reise bis hin zum Ende der Geschichte beruht alles auf dem Zufall und das macht die Geschichte so urkomisch und witzig. An vielen Stellen musste ich herzhaft lachen. Alle Protagonisten, die in dem Buch vorkommen sind mir gleich von Beginn an sympathisch gewesen. Es kommen vor: Allan Karlsson, der Hundertjährige, Julius Jonsson, der Meisterdieb, Benny, der viele Jahrzehnte studiert ist und daher beinahe alles ist, vom Elektriker bis zum Literaturwissenschaftler, aber eben nur fast, weil er nie einen Abschluss gemacht hat, die Schöne Frau, Gunilla, mit ihrem Elefanten Sonja und ihrem Schäferhund, Bennys Bruder Bosse, der Piranha und noch zahlreiche andere Personen, die aber eine eher untergeordnete Rolle spielen.

„Allan gehörte nicht zu den Menschen, die mit zu hohen Erwartungen (oder zu geringen) an die Geschehnisse herangingen. Was passierte, passierte eben, es lohnte sich einfach nicht, sich schon im Vorraus den Kopf darüber zu zerbrechen.“ – S. 225

„[...] Was passierte, passierte eben [...].“ scheint dieses Buch zu durchziehen und der Geschichte einen roten Faden zu geben. Die Charaktere sind bezaubernd und witzig, wohingegen die Handlung einfach unbeschreiblich gut ist. Charmant, verrückt und unglaublich speziell führt der Autor den Leser durch die Lektüre, die man am liebsten ewig weiterlesen möchte. Ich habe mich pudelwohl gefühlt und von der ersten Seite an wird der Leser gleich mitgenommen auf eine unvergessliche Reise. Und das meine ich wirklich so. Die Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein, doch der Autor hat sie hervorragend zusammen gebracht. Zusammen bringen sie Menschen um, wobei diese vielleicht auch zum Teil selber an ihrem Tod schuld sind, doch durch den Charme wird das ganze heruntergespielt und bekommt etwas ganz Sonderbares und Urkomisches, was mich immer wieder zum Lachen gebracht hat.

Wir erfahren zweierlei Dinge. Zum einen, was auf Allans Reise an seinem Geburtstag und danach alles passiert und zum anderen, was Allan bis dahin erlebt hat. Wir erfahren alles aus seinem bisherigen Leben und das gibt der Geschichte gleich noch einen anderen Charakter, der die Handlung und das gesamte Buch zu einem Sensationsbestseller macht.

Das Rätsel mit dem Cover wird ebenfalls aufgelöst. Ich habe mich gefragt, warum ein Elefant das Cover ziert, doch nach der Geschichte werdet ihr wissen warum. Ein Elefant spielt eine nicht minder wichtige Rolle...

„Wenn das Leben Überstunden macht, fällt es einem eben leichter, sich gewisse Freiheiten herauszunehmen, dachte er und setzte sich bequem auf seinem Platz zurecht.“ – S. 14

Ich möchte euch allen das Buch Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson sehr ans Herz legen. Es ist grandios und wohltuend für die Leserseele. Die Geschichte ist spannend und trotzdem unglaublich witzig und komisch. Die Charaktere werdet ihr sofort lieben. Lest dieses Buch unbedingt! 6 Lesezeichen!

Alles Liebe,
Marie

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