20. November 2015

Rezension: „Der Gefangene des Himmels“ von Carlos Ruiz Zafón


Der Gefangene des Himmels
Carlos Ruiz Zafón
Fischer Verlag
403 Seiten
Roman
9,99 €

Dieser Roman war der letzte mir noch fehlende von Carlos Ruiz Zafón, den ich noch nicht gelesen habe. Ich besitze alle anderen Bücher von ihm, die ins Deutsche übersetzt wurden und habe mich nun auch endlich an dieses Buch gewagt. Es gehört zu einer Reihe anderer Bücher, in denen es um den Friedhof der Vergessenen Bücher geht, doch jedes Buch ist in sich geschlossen. Der Autor ermöglicht dem Leser so, über verschiedene Türen ans Ziel zu kommen und herauszufinden, was es mit dem Friedhof der Vergessenen Bücher auf sich hat.

Inhalt
Barcelona. Weihnachten 1957. Als ein Fremder in der verlassenen Buchhandlung Sempere & Söhne auftaucht und das teuerste Buch Der Graf von Monte Christo kauft und es Fermín widmet, einem engen Freund des Sempere mit dem Satz: „Für Fermín Romero de Torres, der von den Toten auferstanden ist und den Schlüssel zur Zukunft hat.“, steht ein Kapitel aus, welches Fermín niemals offenbaren wollte. Es sind keine schönen Erinnerungen, doch er muss sich ihnen stellen, um seine Freunde zu schützen. Daniel, der Sohn des Sempere, bleibt hartnäckig an Fermín dran, um herauszufinden, welches Geheimnis er verbirgt. Er kann das Elend nicht mit ansehen und zwingt seinen Freund dazu, ihm die Wahrheit zu sagen, was er daraufhin auch tut, denn alleine kann er die Last, die auf seinen Schultern liegt, nicht mehr tragen.
Er geht zurück in die Zeit des spanischen Bürgerkrieges 1939. Damals saß Fermín im Gefängnis des Kastells Montjuic ein. Die Zellen stanken vor Dreck und wer an der Folter nicht gestorben ist, der ist elendig im Schmutz verendet. Nur Fermín konnte entkommen und das verdankt er dem Schriftsteller David Martín, der ebenfalls im Gefängnis saß. Gemeinsam heckten sie einen Plan aus, damit Fermín fliehen konnte, doch er musste Martín versprechen, sich um Isabella, eine wunderschöne, junge Frau und deren Sohn zu kümmern. Wieder in Freiheit muss er erfahren, dass Isabella bereits tot ist, und ihm nun nur noch ihr Sohn Daniel bleibt...

Gedanken

„Er weiß, dass die Geschichte, seine Geschichte, noch nicht zu Ende ist. Sie hat eben erst angefangen.“ – S. 403

Als eine begeisterte Leserin des Autors liebe ich die Idee, eine Geschichte zu schreiben, die auf ein Ziel hinausläuft, in diesem Fall den Friedhof der Vergessenen Bücher, wobei die einzelnen Bände nicht in der Reihenfolge gelesen werden müssen, wie es der Autor verspricht. Ich selber habe alle Romane von ihm durcheinander gelesen und das hat dem Sinn und der Geschichte nicht geschadet. Die einzelnen Protagonisten  bekommen ein Gesicht und das in jedem Roman aufs Neue. Der Leser versteht die Handlung auch ohne die anderen Bände.

Zafón versteht es, eine spannende und temporeiche Geschichte zu erzählen, die der Leser in kürzester Zeit verschlingt – verschlingen muss, weil er nicht anders kann – denn man fühlt sich sofort aufgenommen. Der Schreibstil ist angenehm und wunderbar ruhig. Jeder Satz, jedes Wort ist bedacht und das spürt man. Genau das erzeugt bei mir Gänsehaut. Eindrucksvoll und bewandert zeigt sich, dass der Autor ein Meister ist auf seinem Gebiet und das meine ich ernst. Seine Romane sind so wunderschön geschrieben, dass man sie einfach lesen muss und wenn man mit einem Teil begonnen hat, möchte man am liebsten alle anderen gleich hinterher lesen.

Der Sprachstil ist nicht immer sofort verständlich, doch sobald der Leser sich eingelesen hat, scheint alles von alleine zu laufen. Natürlich wollte ich unbedingt wissen, wie der Roman ausgeht. Das Ende ist flüssig und endet mit einem Epilog, der ein toller Abschluss der Geschichte ist. Ich habe mich auf Händen getragen gefühlt, denn dieses Buch zu lesen, fühlt sich an wie Fliegen und ich kann es nur jedem Bücherwurm ans Herz legen.

Die Charaktere sind grandios und sind mir in kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen.

6 Lesezeichen

Eure Marie

Keine Kommentare:

Schreibe einen Kommentar