25. Oktober 2015

Rezension: „Der Psychiater“ von John Katzenbach


Der Psychiater
John Katzenbach
Droemer Verlag
573 Seiten
Psychothriller
19,99 €

Obwohl ich mich in der Vergangenheit nicht sonderlich für Krimis begeistert habe, landete dieses Buch in meinem Regal nachdem ich es in meiner Lieblingsbuchhandlung gesehen hatte. Gelesen hatte ich zuvor von dem Autor noch nichts, doch ich wusste dass seine Krimis bei vielen Menschen Anklang finden, und so habe ich mich hinreißen lassen und es gelesen.

Inhalt
Timothy Warner, von seinen Freunden nur „Moth“ genannt, studiert Geschichte an der University of Miami und hat ein großes Alkoholproblem. Seit genau hundert Tagen ist er clean und das hat er nur mithilfe seines Onkels Ed geschafft, ein prominenter Psychiater, der immer an ihn geglaubt hat. Dann wird er plötzlich tot in seiner Praxis aufgefunden – angeblich Selbstmord. Moth wird der Boden unter den Füßen weggezogen, doch er ist sich ganz sicher, dass es sich nicht um einen Selbstmord handelt, auch wenn die Polizei vom Gegenteil überzeugt ist. Zusammen mit seiner Freundin, die alle nur „Andy Candy“ nennen, macht er sich auf die Suche nach dem Mörder seines Onkels, ohne zu wissen, mit wem er es zu tun bekommt. Bei der Recherche finden die beiden so einiges heraus und die Geschichte wird immer verwirrender, bis ein weiterer Mord geschieht, bei dem Moth und Andy Candy in unmittelbarer Nähe sind und der schlussendlich der Schlüssel zur Lösung ist. Aber der Mörder ist geschickt und erfahren...

Gedanken

„Wer auf jemand anderen zählt, geht immer ein Risiko ein.“ – S. 48

Aber genau darum geht es bei den Protagonisten Moth und Andy Candy. Vor vielen Jahren waren sie ein Paar und beide haben in der Zwischenzeit einiges erlebt, was nun ein Teil von ihnen ist. Moth bittet sie um Hilfe, denn sie ist die einzige, die ihm wirklich helfen kann. Auch wenn sie nicht mehr zusammen sind, spüren sie, dass sie – immer noch – etwas verbindet. Sie machen sich gemeinsam auf die Suche nach dem Mörder, wohlwissend, dass das für sie beide tödlich ausgehen kann. Ich habe die beiden Hauptpersonen gleich in mein Herz geschlossen, vor allem Andy und im Laufe der Geschichte wurde ich weder von dem einen, noch von dem anderen enttäuscht.
Im Allgemeinen hat mich das Buch vollkommen überrascht. Bei einem Krimi, im Gegensatz zum Thriller, ist es so, dass ein Verbrechen stattfindet und die Handlung darauf aufbaut und der Fall gelöst wird. Das trifft grundsätzlich auf auf dieses Buch zu, doch im Laufe der Geschichte wendet sich das Blatt. Zuerst war ich unsicher, ob es dann nicht schnell langweilig wird. Aber das wurde es zu keiner Zeit. Immer wieder hat der Autor eine Spannung aufgebaut, die ab und zu ihren Höhepunkt erreicht hat, dann leicht gefallen ist, aber wieder anstieg. Eine Grundspannung war immer vorhanden und das hat das Buch für mich sehr angenehm gemacht. Habe ich die Seiten aufgeschlagen, wusste ich sofort, wo ich war und was zuvor geschehen ist, auch wenn ich es seit Tagen nicht mehr geöffnet hatte. Die Geschichte hat eine gewisse Ruhe ausgestrahlt, die auch zum Teil von dem Mörder ausging, der immer einen klaren Kopf behielt. Bei den letzten Kapiteln angelangt, sah es für mich schon anders aus. Ich wurde nervös und wollte unbedingt wissen, wie es ausgeht.
Innerhalb der Kapitel wird das Geschehen aus mehreren Perspektiven betrachtet. Es gibt einerseits die Seite von Moth, die von Andy Candy, die des Mörders und die einer weiteren Person, einer Staatsanwältin. Zum Ende hin wird das allerdings vor allem von Moth dominiert, denn er ist eine der wichtigsten Personen in der Schlussszene. Die Sicht des Mörders rückt in den Hintergrund. Dadurch das Moth wenig bis gar keine Erfahrung mit dem Töten hat, habe ich immer wieder gehofft, dass er die gefährliche Aktion überleben wird, auch um Andys Willen...

„Sie hatte Angst vor dem Sterben, aber nicht annähernd so viel Angst wie vor dem Töten.“ – S. 511

Der Autor hat genau die richtige Mischung zwischen atemberaubender Spannung und unglaublicher Panik gefunden, die mich einfach umgehauen hat und das im positiven Sinne. Die Charaktere sind gut und ausgeprägt. Sofort habe ich ein Bild im Kopf, das ich jeder einzelnen Person des Buches zuordnen kann. John Katzenbach hat mich mit einer fesselnden Geschichte überzeugt und neugierig gemacht auf weitere Thriller von ihm. Jedem Thriller- und auch Krimifan kann ich dieses Buch empfehlen und ans Herz legen. Es lohnt sich wirklich.

6 Lesezeichen

Eure Marie

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