19. Mai 2015

[Rezi] »Die Buchspringer« von Mechthild Gläser


Die Buchspringer
Mechthild Gläser
Loewe Verlag
380 Seiten
Roman
17,95 €

Inhalt
Als Amy Lennox zusammen mit ihrer Mutter Alexis aus Bochum flieht, weiß sie nicht, was sie genau erwartet. Auf einer einsamen Insel names Stormsay beginnt für Amy ein neuer Lebensabschnitt, denn sie erfährt, was ihre Mutter jahrelang verborgen hat: Sie ist eine Buchspringerin. Sie hat die Gabe, wie alle ihre Familienmitglieder in Geschichten zu springen und dort die Figuren und alles drum und dran zu sehen. Amy kann es kaum glauben, was ihr gesagt wird und probiert es gleich aus. Und tatsächlich. Sie kann in »Das Dschungelbuch« springen und mit den Charakteren reden und von dort aus in viele verschiedene Geschichten reisen. Aber das ist nicht das einzige, was sie erfährt, denn Alexis eröffnet ihr, wer ihr Vater ist: eine Buchfigur. Mit Hilfe von Will, einem Jungen aus dem Hause Macalisters, begreift Amy, wie wichtig es ist, die Welt der Literatur zu schützen, denn etwas geht vor sich. Aus vielen Geschichten werden plötzlich Ideen geklaut und die Handlung macht keinen Sinn mehr, bleibt einfach stehen. Das ist auch der Grund, warum so viele Bücher zusammenschrumpfen. Die Familien Lennox und Macalister müssen beweisen, dass sie sich sehr wohl um den Schutz der Literatur kümmern können und ihn wahren. Immer mehr Zeit verbringen Amy und Will damit, herauszufinden, was all das auf sich hat und verlieben sich ineinander. Aber das Ungeheuer macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Es gilt, ein uraltes Märchen aufzudecken und die Personen darin zu befreien. Amy und Will arbeiten gegen die Zeit…

Gedanken
Der Klappentext von »Die Buchspringer« verrät nicht allzu viel von der Geschichte, die dieses wunderschöne Buch in sich trägt und daher wusste ich auch nicht wirklich, was mich erwartet, außer dass es ein Mädchen, Amy, gibt, die in Bücher springen kann und dort den Charakteren zusieht und mit ihnen spricht. Äußerlich gefällt mir das Buch sehr gut. Die Farben passen wunderbar zueinander und die Gestaltung finde ich toll. Man sieht ein Mädchen, ein Kaninchen, welches aus »Alice im Wunderland« stammt, Sherlock Holmes, der auf dem fliegenden Buch steht und seine Lupe in der Hand hält und Shir Khan, den Tiger aus »Das Dschungelbuch«. Außerdem noch eine Hexe aus »Macbeth«. Auf dem gesamten Cover sind aufgeschlagene Bücher verteilt, inmitten deren der Buchtitel hervorsticht in einer etwas schnörkeligen Schrift.

„Ich spürte Wills Körper nah an meinem. Warm. Seine Hand lag an meiner Taille, die andere hatte sich in meinem Zopf vergraben. Ich tastete nach seinen Schultern. Das zarte Flattern in meiner Brust war zu einem Orkan angeschwollen, das Blut rauschte mir in den Ohren. Dies hier war nicht literarisch. Es geschah wirklich. Mit dieser Erkenntnis verebbten meine Gedanken.“ ­– S. 262

Ich war sehr erstaunt, auf den ersten Seiten und in den ersten Kapiteln auf reale Personen zu stoßen, die dazu noch in Bochum wohnen, also in einer realen Stadt. Ich habe lediglich mit Fantasiecharakteren gerechnet. Diese Erkenntnis hat mich sehr gefreut und so begann ich, die Seiten nach und nach zu verschlingen. Das Buch beginnt mit einem Prolog, der erstmal nicht wirklich in die Geschichte einzubringen ist, doch innerhalb der ersten Kapitel wird schnell klar, wie er mit der Handlung verflochten ist. Jedes Kapitel beginnt mit einem Auszug aus dem Märchen, welches, wie in der Geschichte deutlich wird, vor vielen, vielen Jahren bei einem Streit der zwei Clans zum größten Teil verbrannt ist. Um genau dieses Märchen geht es auch in dem Buch. Parallel zu den Auszügen passiert in dem folgenden Kapitel etwas, was damit zusammenhängt, bis die Handlung ihren Höhepunkt erreicht. Punktgleich treffen Realität und Märchen aufeinander und ergeben einen spannenden Abschluss.
Die Protagonisten Amy und Will machen sich auf die Suche nach dem Ungeheuer, was aus verschiedenen Geschichten die Ideen klaut. Immer wieder legen sie sich auf die Lauer und treffen dabei auf mögliche Verdächtige. Amys Großmutter Lady Mairead und Betsy von den Macalisters scheinen etwas zu verbergen, doch sie behaupten, nichts mit der Sache zu tun zu haben. Dann treffen die beiden plötzlich auf ein abgemagertes Mädchen und finden heraus, dass sie ebenfalls eine Buchfigur ist, eine Prinzessin und aus dem Märchen stammt, welches verbrannt ist. Amy will nun herausfinden, worum es in dem Märchen genau geht und hegt den Verdacht, dass die Prinzessin ihre Geschichte durch die geklauten Ideen reparieren will. Als sie herausfinden, was die Wahrheit ist, ist es fast zu spät. Nur durch Will kann das Unheil aufgehalten werden, aber dafür muss er mit seinem Leben bezahlen. Kann er das?

„Der kleine Prinz schrie, als der Stiel endgültig brach. Die Rose leuchtete kurz auf, dann verschwand sie. Der Prinz warf sich in den Sand und hieb mit den Fäusten darauf ein.“ – S. 179

Dadurch, dass die Protagonisten in jede beliebige Geschichte springen können, erhascht der Leser immer wieder einen Blick in andere Welten, wie zum Beispiel in die des kleinen Prinzen aus »Der kleine Prinz« von Antoine de Saint-Exupéry. Verlockend klingen die Geschichten in meinen Ohren nach. Die Autorin hat mich mit diesem Buch wahrhaftig verzaubert. »Die Buchspringer« ist ein Jugendbuch, in dem sich die Fantasie mit der Realität vermischt, doch all dies geschieht mit einer Ausgewogenheit, die mich staunen lässt. Gerne habe ich mich der Handlung hingegeben und bin mit Amy in die verschiedenen Bücher geschlüpft. Mit großer Freunde habe ich die Liebe zwischen Amy und Will verfolgt und gemeinsam mit den beiden gezittert um das Ende des Märchens und somit auch um das Ende der Geschichte. Die beiden sind mir ans Herz gewachsen und ich finde es sehr schade, dass es nur einen Teil gibt.

Mechthild Gläser hat mich mit ihrem Jugendbuch überzeugt. Es ist etwas komplett anderes und ich finde ihre Buchidee klasse. Mit viel Liebe schreibt sie die Geschichte um Amy und Will zu Ende und hat mich damit verzaubert. Ich kann euch allen dieses Buch nur empfehlen. Auch für große Lesefans eine tolle Abwechslung! 6 Lesezeichen!

Marie

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