17. Mai 2015

[Rezi] »Ein ganzes halbes Jahr« von Jojo Moyes


Ein ganzes halbes Jahr
Jojo Moyes
Rowolth Verlag
520 Seiten
Roman
14,99 € 

Inhalt
Louisa arbeitet gerne in dem kleinen Café in ihrer Heimatstadt, doch als dieses schließen muss, weiß sie nicht, was sie tun soll. Sie hat keinerlei Qualifikationen, die sie vorweisen kann. Will Traynor liebt sein Leben und kostet es in vollen Zügen aus. Er reist um die halbe Welt, liebt seine Freundin und hat tolle Freundin. Dann passiert der Unfall und Will ist an den Rollstuhl gefesselt. Nun braucht er eine 24h Betreuung und wohnt wieder bei seinen Eltern, aber er kommt mit seinem Leben nach dem Unfall nicht mehr zurecht. Er möchte sich umbringen, gibt seinen Eltern aber noch sechs Monate Zeit, sich daran zu gewöhnen. Wie der Zufall es so will, sucht Mrs. Traynor eine Pflegekraft für Will und Louisa bewirbt sich für den Job – und bekommt ihn. Mithilfe von Nathan lernt sie alles kennen, um Will helfen zu können. Durch seine Rückenmarksverletzung kann er sich so gut wie gar nicht mehr bewegen und braucht in allem Hilfe. Louisa gibt sich große Mühe und Will scheint sie zu akzeptieren. Seine Eltern verfolgen jedoch einen ganz anderen Plan. Sie haben Louisa eingestellt, damit sie Will zeigt, dass das Leben und ganz besonders sein Leben noch lebenswert ist und dass man auch, wenn man im Rollstuhl sitzt, am Leben teilhaben kann. Sie möchten, dass Louisa es schafft, will von seinem Vorhaben abzubringen. Als sie mitbekommt, wieso sie eingestellt worden ist, möchte sie am liebsten kündigen, doch das kann sie nicht wirklich, denn sie hat sich bereits in Will verliebt, auch wenn sie das noch nicht einsehen möchte. Sie unternimmt viele Dinge mit ihm, die sie vorher gründlich recherchiert, damit alles gut wird. Ihm scheint es besser zu gehen und er lacht viel mehr. Mit einer großen, letzten Reise, kurz vor Ende der Frist, die er seinen Eltern gesetzt hat, will Louisa das Eis brechen, doch alles läuft anders als geplant. Niemand weiß, dass Will seinen Entschluss bereits gefasst hat. Und niemand kann ihn davon abbringen.

Gedanken
Nach vielen guten und zum Teil auch sehr guten Meinungen habe ich mir »Ein ganzes halbes Jahr« auch gekauft und sogleich gelesen, weil ich den Klappentext sehr interessant und spannend fand. Die Liebesgeschichte um Will und Louisa beginnt mit einem Prolog, der in die Handlung einführt. Bereits hier erlebt der Leser Wills Unfall mit und ist beim Geschehen dabei. Dann beginnt die eigentliche Geschichte. Das Leben von Will nach dem Unfall und die Liebe zu Louisa, die sich in dem gesamten Buch zeigt.

„Ich tat das Einzige, was mir in den Sinn kam. Ich beugte mich vor und legte meine Lippen auf seine. Er zögerte, nur einen Augenblick lang, und dann küsste er mich. Und für einen Moment vergaß ich alles – die tausend Gründe, aus denen ich das nicht tun sollte, meine Ängste, der Grund, aus dem wir hier waren. Ich küsste ihn, atmete den Geruch seiner Haut ein, spürte sein weiches Haar unter meinen Fingerspitzen, und als er meinen Kuss erwiderte, verschwand alles andere, und es gab nur noch Will und mich, auf einer Insel mitten im Nirgendwo, unter Myriaden funkelnder Sterne.“ – S. 459

Louisa Clark weiß nicht, wozu sie in Wahrheit bei den Traynors angestellt wurde und zunächst geht es auch nur darum, Will zu pflegen und ihm den Lebensmut wiederzugeben, den er verloren hat. Aber als Lou ein Gespräch zwischen Mrs. Traynor und ihrer Tochter mithört, kann sie kaum glauben, worum es wirklich geht. Will möchte nicht mehr länger leben, doch er hat seinen Eltern eine Frist von sechs Monaten eingeräumt, die Louisa nun nutzen soll, um ihn umzustimmen. Sie schafft es, ihn für etwas zu begeistern, was nicht innerhalb seiner eigenen vier Wände liegt und sie bringt ihn zum Lachen. Diese Vertrautheit, die dadurch entsteht, führt dazu, dass sie sich ineinander verlieben. Doch Will kann das nicht, denn er hat sich bereits entschieden.

„Ich hatte hundertsiebzehn Tage, um Will Traynor davon zu überzeugen, dass es sich lohnte weiterzuleben.“ – S. 198

Wir erleben »Ein ganzes halbes Jahr« zum größten Teil aus der Sicht von Louisa, die uns durch die Geschichte führt. Wir erhalten Einblick in ihre Gedanken und Gefühle, vor allem in Bezug auf Will. Lediglich zwei bis dreimal erzählt eine andere Person, wie sie das Geschehen sieht, doch das erfahren wir immer nur in einem Kapitel. Zum Einen ist da Wills Mutter, Camilla Traynor, und zum Anderen Wills Pfleger, Nathan, und Wills Vater, Steven Traynor. Kurz erhaschen wir einen Blick in ihre Gedanken. Dabei wird der Fluss der Geschichte allerdings nicht gestört. Im Gegenteil. Diese leichte Abwechslung trägt wesentlich zum Verständnis der Handlung bei. An einigen Stellen konnte ich nicht sofort folgen. Zum Beispiel das Wort »Dignitas«, eine Einrichtung, in der Menschen den Freitod wählen können, wobei die Zeremonie strengstens überwacht wird. Ich konnte damit erst einmal nichts anfangen und musste es erstmal googlen.
Die beiden Protagonisten sind mir sehr sympathisch. Lou und Will ergänzen sich sehr gut. Als Leser habe ich sofort gespürt, dass sich die beiden ineinander verlieben werden. Die Motivation und der Ergeiz, mit dem Lou an die ganze Sache herangeht, hat mich mitgerissen. Die Kapitel flogen nur so dahin und manchmal musste ich wirklich lachen, denn einige Stellen sind herzhaft. Wills Charme zieht nicht nur Louisa in den Bann sondern auch mich.

Was mich ein bisschen gestört hat, ist das Ende. Louisa gibt sich viel Mühe, Will davon zu überzeugen, sich nicht umzubringen und als Leser habe ich natürlich gehofft, dass sie es schafft. Alles, wirklich alles sieht danach aus, aber auf der letzten Reise wird klar, dass Will sich schon entschlossen hat. Das hat mich wirklich getroffen. Nach diesem Gespräch zwischen Lou und WIll geht alles sehr schnell, was nicht zum Rest der Handlung passt. Zack, zack, zack wird alles »abgearbeitet« und das Buch ist zuende. Das hat mich doch etwas verdutzt.

Jojo Moyes hat mit diesem Buch gezeigt, was sie kann und hat mich dabei überzeugt. Die Geschichte über Lou und Will ist romantisch, lustig und auch traurig. Ihr Schreibstil ist sehr leicht und man kann den Gedanken Louisas gut folgen. Das Ende hätte ich mir etwas länger gewünscht, aber trotzdem vergebe ich noch 5 Lesezeichen, weil mir die Handlung super gefallen hat und die Charaktere wundervoll sind.

Marie

Kommentare:

~*Nina*~

Guten Morgen liebe Marie! :)

Freut mich zu lesen, dass dir das Buch so gut gefallen hat. Ich habe es auf meine Deutsch-Matura Liste gesetzt und bin schon recht gespannt, ob es mir auch gefallen wird. :D

Liebste Grüße
Nina ♥♥♥

Marie

Hallo Nina,

was ist eine Deutsch-Matura Liste? Kennst du schon andere Bücher von der Autorin?

Liebe Grüße, Marie

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