19. April 2015

[Rezi] »Margos Spuren« von John Green


Titel: Margos Spuren
Autor: John Green
Verlag: dtv
Seitenzahl: 331
ISBN: 978-3-423-62499-2
Preis: 9,95 €
Bewertung: 6 Lesezeichen

Beginn:

»Also, wie ich die Sache sehe, erlebt jeder irgendwann mal ein Wunder. Ich meine, es ist zwar unwahrscheinlich, dass ich vom Blitz getroffen werde oder einen Nobelpreis kriege, Diktator eines Inselstaats im Pazifik werde, an Ohrenkrebs sterbe oder mich spontan selbst entzünde. Aber wenn man alle unwahrscheinlichen Dinge, die passieren könnten, zusammennimmt, ist es wahrscheinlich, dass jedem von uns zumindest einmal etwas davon passiert.«

Inhalt:

Quentin ist seit Jahren in Margo verliebt. Still und heimlich beobachtet er sie, doch für Margo scheint er nur Luft zu sein. Margo ist mutig, stark und macht das, wonach sie Lust hat. Quentin kümmert sich vor allem um seinen Abschluss und denkt nicht mal daran, zu schwänzen – bis zu dem Tag, an dem Margo plötzlich mitten in der Nacht in seinem Zimmer steht. Sie braucht seinen Wagen, denn sie möchte sich rächen. Aber Quentin soll ebenfalls in diesem Abenteuer eine Rolle spielen. Gemeinsam fahren sie durch die Stadt und erledigen die elf Aufgaben, die sich Margo ausgedacht hat. Sie will sich an ganz bestimmten Personen rächen und zusammen haben sie eine Menge Spaß. Am nächsten Tag hofft Quentin, dass nun alles anders wird, aber Margo erscheint nicht in der Schule. Sie ist verschwunden und er der letzte, der sie gesehen hat. Aber er weiß nichts. Klar hat sie vom Weggehen gesprochen, aber schon früher ist sie öfters ausgerissen. Ihre Eltern kümmern sich nicht darum und so nimmt Quentin die Sache selbst in die Hand. Er sucht nach Hinweisen und findet alles mögliche, nur nicht ein konkreten Hinweis auf ihren Verbleib. Seine Freunde Radar und Ben helfen ihm. Quentin findet ein Buch, in dem Textzeilen unterstrichen sind und einen Papierschnipsel in seinem Türrahmen. Er sucht mehrere Orte auf, nur um später resigniert wieder nach Hause zu kommen. Dann aber findet er etwas, dass ihn wirklich weiterbringen könnte. Eine Landkarte und einen Ort. Zunächst will er sich alleine auf den Weg machen zu dem Ort, der eine Tagesreise entfernt ist, aber Ben, Radar und Margos Freundin Lacey begleiten ihn und das wird eine ganz besondere Reise. Am Ende hoffen sie, Margo zu finden, denn Quentin ist sich sicher, dass sie ihm die Hinweise hinterlassen hat, damit er sie sucht…

Meine Meinung:

Nach »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« ist »Margos Spuren« das zweite Buch von John Green, welches ich lese. Ich habe gesehen, dass die Verfilmung im Sommer in die Kinos kommt, aber vorher wollte ich mir das Buch kaufen, damit ich schauen kann, ob sich ein Kinobesuch lohnen würde. Wer »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« gelesen hat, der wird zunächst vom Autor begeistert sein, denn dieses Werk ist wirklich grandios. Schnell wird klar, dass das Buch ein durch und durch positives Feedback bekommen wird und auch ich habe die Lektüre mittlerweile dreimal gelesen und mindestens fünfmal gesehen. Natürlich ist es schwer, dass einem Autor gleich mehrere Treffer gelingen, doch auch »Margos Spuren« hat mich überzeugt. Die Erzählweise ähnelt sehr seinem anderen Werk und man merkt, dass es der gleiche Autor ist, aber die Geschichte ist toll.

»Vielleicht ist es die Gewissheit, dass sie am Leben ist, die alles andere wieder vorstellbar macht, selbst wenn ich nie einen Beweis dafür finde. Beinahe kann ich mir Glück ohne sie vorstellen. Beinahe kann ich mir vorstellen, dass ich sie gehen lassen kann. Die Verbundenheit unserer Wurzeln spüren, selbst wenn ich diesen einen Grashalm nie wiedersehe.« – S.296

Die Geschichte handelt von Margo und Quentin, die als Nachbarn in der Siedlung Jefferson Park aufwachsen. Sie gehen auf die gleiche Schule, sind aber zwei ganz verschiedene Persönlichkeiten. Quentin ist sich sicher, dass er niemals mit Margo zusammensein wird und Margo scheint ihn nicht zu beachten, aber als sie mitten in der Nacht in seinem Zimmer auftaucht ist er sprachlos. Er soll mitkommen und ein Abenteuer erleben? Er hat so etwas noch nie gemacht, vor allem nicht mit Margo, die bekannt ist für ihre spektakulären Aktionen. Am Ende entscheidet er sich jedoch dafür und begleitet sie. Nach einer Weile macht es ihm sogar Spaß und er fragt sich, ob sich nun zwischen ihnen etwas verändern wird und warum Margo ausgerechnet ihn ausgewählt hat und nicht eine ihrer Freundinnen. Aber seine Fragen werden nicht beantwortet, denn am nächsten Tag ist sie verschwunden. Da es ihre Eltern nicht zu interessieren scheint, macht er sich selber daran, Hinweise zu finden und nach ihr zu suchen. Er wirft alle Vorsicht über Bord, lügt zum ersten Mal seine Eltern an und schwänzt die Schule. Seine Freunde begleiten ihn und schließlich finden sie den entscheidenden Hinweis auf ihren Verbleib. Ihre Ankunft ruft allerdings eine andere Reaktion in Margo hervor als erwartet und dann wird klar, dass Quentin und Margo nicht zusammen sein werden.

Wir springen in eine sehr außergewöhnliche Geschichte. Auf der ersten Seite steigen wir sofort in das Geschehen ein und erleben das Abenteuer aus Quentins Sicht. Er beobachtet und durchleuchtet alles und wir erfahren das, was er denkt und fühlt. Margo hinterlässt Quentin Hinweise, zumindest wird ihm und uns das glaubhaft vorgespielt. Er glaubt, er soll sie suchen und natürlich macht er sich auf den Weg. Es ist keine Liebesgeschichte in dem Sinne. Es ist viel mehr ein Abenteuer, auf das sich der Leser einlassen kann. Die Hinweise sind schwer zu entziffern, aber Quentin schafft es. Das macht ihn aus meiner Sicht sehr sympathisch. Auch Margo mag ich sehr, denn es wird schnell klar, dass das Gesicht, welches sie in der Schule zeigt, nicht ihr wahres Gesicht ist. Es ist eine Fassade und das, was wir im Laufe der Geschichte über sie erfahren, macht sie liebenswert. Die Suche nach den ganzen Hinweisen hat mich mitgerissen mit der Geschichte und hat in mir eine gewisse Spannung erzeugt. Natürlich war das Buch nicht wirklich spannend, doch aber aufregend und schließlich wollte ich herausfinden, ob Margo gefunden wird und wie sie reagiert.

»Aber wenn man alle unwahrscheinlichen Dinge, die passieren könnten, zusammennimmt, ist es wahrscheinlich, dass jedem von uns zumindest einmal etwas davon passiert.« – S.7

Aus »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« wissen wir, dass das Ende des Buches nicht positiv, aber auch nicht wirklich negativ war. Auch in »Margos Spuren« ist das so. Ich möchte nicht zu viel verraten, deswegen bleibt es bei diesem einen Satz bezüglich der letzten Seiten.
Die Schriftsprache weist deutliche Parallelen zu »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« auf, was ich allerdings nicht besonders schlimm finde. Ich finde es erstaunlich, dass man hierbei erkennt, dass beide Bücher von einem Autor sind. Und da ich John Greens Schreibstil sehr mag, erfreut es mich, ihn hier wieder zu erkennen.
Das Buch selbst durchzieht eine Art Netz, denn an jedem Kapitelbeginn ziehen sich Linien und Punkte über die Seite, die perfekt zur Geschichte passen.

Viele Textstellen waren sehr lustig und haben mich wirklich zum Lachen gebracht. Es ist absolut keine negative Geschichte. Es ist ein Abenteuer, zu dem Quentin uns einlädt, welches ich gerne annehme.

Résumé:

John Green schafft in seinem Buch mal wieder eine schöne Welt, die wirklich schön ist. Durchweg positiv zieht uns Quentin mit. Die Charaktere sind toll und die Geschichte ebenso. Ganz anders als »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«, aber wer zwischendurch mal etwas lustiges lesen möchte, der ist bei diesem Buch genau an der richtigen Adresse. Ich kann es nur empfehlen. 6 Lesezeichen!

Marie

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