29. März 2015

[Rezi] »Spiegelschatten« von Monika Feth


Titel: Spiegelschatten
Autorin: Monika Feth
Verlag: cbt
Band: Teil II
Seitenzahl: 474
ISBN: 978-3-570-30922-3
Preis: 9,99 €
Bewertung: 6 Lesezeichen

Beginn:

»Ohne dich bin ich nichts.
Nichts...
Stell es dir vor, dieses Nichts.
Diesen kalten, weiten, weißen Raum.«

Inhalt:

Er tötet lautlos und hinterlässt keine Spuren. Nichts, was der Polizei später helfen könnte, ihn zu identifizieren und des Mordes zu überführen. Leonard Blum ist sein erstes Opfer. Unscheinbar, immer nett, schlau und schwul. Erik Sammer ist sein zweites Opfer. Ebenfalls schwul. Dann Tobias Sattelkamp und Josch Bellmann. Auch schwul. Alle vier Opfer waren mit Björn Berner, Romys Zwillingsbruder, befreundet, doch der kann sich einfach nicht vorstellen, dass einer seiner Freunde der Mörder ist. Kommissar Bert Melzig findet heraus, dass es definitiv nur ein Mörder ist, ein Serienmörder. Auch Romy ermittelt wieder, denn sie möchte darüber schreiben. Gemeinsam mit Ingo, der ihr sehr ans Herz gewachsen ist, recherchiert sie, aber genau wie die Polizei stößt sie auf Luft. Niemand kann sich erklären, wieso es jemand auf Schwule abgesehen hat, denn das scheint bei allen Morden die Verbindung zu sein. Nichts anderes will so Recht in das Schema passen und irgendwo müssen die Kommissare anfangen. Keines der Opfer hat sich gewehrt. Bis auf Josch Bellmann. Er hat um sein Leben gekämpft und das bedeutet gleichzeitig, dass die Strategie des Mörders zum ersten Mal durchbrochen wurde. Alle hoffen, die Sache so schnell wie möglich aufklären zu können, denn die Bevölkerung in Köln und Bonn bricht langsam aber sicher in Panik aus. Romy überzeugt Björn, gemeinsam mit seinem Freund Maxim, dass die beiden zunächst abtauchen sollen, denn auch Björn ist schwul und hat bereits eine Warnung bekommen. Er erklärt sich dazu bereit, doch damit hat er sein sicheres Todesurteil unterschrieben. Niemand ahnt, dass der Mörder die ganze Zeit unter ihnen ist und alles mitbekommt. Und dann zählt jede Sekunde, um Björn zu retten...

Meine Meinung:

»Spiegelschatten« ist ein unglaublich spannendes, und packendes Buch. Nachdem der erste Teil sehr gut war, hat mich dieser Teil einfach nur noch umgehauen. Ich weiß wirklich nicht, was ich erwartet habe, doch die Wendung, die die Geschichte zum Ende hin genommen hat, nahm mir im Moment des Lesens den Boden unter den Füßen weg. Ich hatte wirklich Angst.

Monika Feth beginnt die Geschichte mit einem Prolog, bei dem wir in die Gedanken des Mörders blicken. Das erste Kapitel beginnt, wie alle folgenden ebenfalls, mit einem Eintrag Romys in ihr, wie sie es nennt »Schmuddelbuch«. Das ist eine Art Tagebuch und dort erfahren wir eine Menge über ihre Gedanken und Überlegungen. Danach steigt Feth sofort in den ersten Mord ein. Das Buch beginnt mit dem ersten Mord an Leonard Blum und bevor wir überhaupt angefangen haben zu lesen, sind wir bereits mitten drin. Von da an stieg die Spannung kontinuierlich. Immer wieder baut die Autorin Höhepunkte ein, denn wir erfahren alles. Die Handlung wechselt ständig zu einer anderen Person, die den Verlauf der Geschichte für einige Zeit weiter erzählt, wobei »erzählt« das falsche Wort ist. Der Leser schlüpft in die Gedanken und Gefühle der Protagonisten und weiß so, wie es weitergeht und in welchem Chaos die einzelne Person sich befindet. Wir lesen auch über die Gedanken des Mörders und wissen schon sehr bald, dass er eine Persönlichkeitsstörung entwickelt. Dennoch hat der Leser keine Ahnung, wer sich wirklich dahinter verbirgt. Das ist ein neuer Charakterzug der Geschichte, den Monika Feth eingebaut hat. Der Mörder kämpft mit sich selbst, aber mehr als Gedanken und Gefühle erfahren wir nicht über ihn. Da sieht es bei Romy und ihrem Bruder schon ganz anders aus. Sie beschreiben einander sehr gut und als Leser bekommt man ein gutes Bild von ihnen vermittelt. Auch ihre Freunde bekommen ein Gesicht. Alle Charaktere sind unterschiedlich und haben ganz eigene Charakterzüge. Die meisten sind mit sehr sympathisch. Einzig Maxim, Björns fester Freund, bleibt in einigen Dingen ein Geheimnis und später erfahren wir auch ganz klar, warum.

»›Jedes dieser Lichter brennt für die Toten‹, diktierte Romy. ›Jedes dieser Lichter ist eine Absage an Intoleranz und Gewalt. Jedes einzelne Licht ist eine Anklage, die keine Worte braucht.« – S.198

Die Charaktere wollen wissen, wer der Mörder ist, denn er tötet Schwule und dass kann niemand verstehen. Was ist so schlimm daran, schwul zu sein?! Es ist etwas normales, doch in der heutigen Gesellschaft gibt es immer noch Menschen, die damit nicht zurecht kommen. Monika Feth macht unterbewusst auf dieses Thema aufmerksam. Was sich in der Geschichte allerdings daraus entwickelt läuft in eine komplett andere Richtung. Der Mörder hat eine Persönlichkeitsstörung und ist, wenn er tötet, ein anderer Mensch. Nach seiner Tat kann er sich nicht mehr daran erinnern und das macht es so schwierig, ihn zu finden. Auch der Leser erfährt erst am Ende, wer er wirklich ist, doch bis dahin durchlebt er eine Art Schockzustand. Die Spannungskurve geht immer aufwärts. Höhepunkte gibt es immer wieder, vor allem wenn ein weiterer Mord geschieht. In den letzten Kapiteln allerdings wendet sich das Blatt. Immer öfter erfahren wir die Gedanken und Gefühle des Mörders und wissen somit, dass das Ende nah ist. Auch die anderen Protagonisten werden aktiver und die Polizei findet erste konkrete Hinweise. Im letzten Kapitel dann geht es richtig zur Sache. Die Situation spitzt sich zu und entlädt sich plötzlich. Auf einmal wissen wir, wer es ist und wie die Taten abliefen, denn wir erleben den Versuch, ein fünftes Mal zu töten ganz nah mit. Dieses Mal allerdings wissen wir alles! Der Weg zur Spitze hin trieb mir eine Gänsehaut den Rücken runter. Ich hatte wirklich Angst, aber ich konnte und wollte die Lektüre nicht weglegen. Ich war so gefesselt und überrascht, dass ich die letzten fünfzig Seiten in wenigen Minuten verschlungen habe. Es ist echt unglaublich gewesen. Das habe ich noch bei keinem Buch erlebt.

»Spiegelschatten« ist eigentlich ein Jugendbuch, doch durch die aufbauende Spannung, die Feth in ihrem Buch grandios hinbekommen hat, reicht es an einen Erwachsenenthriller heran. Unglaublich spannend und atemberaubend schnell führt die Autorin den Leser durch die Geschichte und dieser nimmt alles mit, was er bekommen kann.

»Man konnte sie [die Wörter] auf der Straße finden. In Büchern. Auf Plakaten. Sie umschwirrten ihn und warteten nur darauf, entdeckt zu werden. Natürlich gab es auch schreckliche Wörter, voller Hass oder voller Angst. Worte waren wie die Menschen, die sie aussprachen. Sie waren genauso gefährlich.« – S.78


Résumé:

»Spiegelschatten« ist, wie ich finde, bisher das beste Buch der Autorin und der beste Folgeroman ihrer Reihen. Gut fand ich außerdem, dass Jette aus der »Erdbeerpflücker«-Reihe noch eine kleine Gastrolle in dieser Lektüre hatte. Das kam unerwartet, aber es hat mich sehr gefreut. Monika Feth hat hier ein Werk geschaffen, welches mir eine Gänsehaut über den Rücken trieb. Spannend, dramatisch, aufwühlend und mitreißend verfolgte ich die Geschichte des Mörders. Vollkommen überwältigt lege ich euch dieses Buch ans Herz! ~ 6 Lesezeichen

Marie 

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