3. März 2015

[Rezi] Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra – Robin Sloan

Titel: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra
Originaltitel: Mr. Penumbra's 24-Hour-Bookstore
Autor: Robin Sloan
Verlag: Blessing
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Roman
Band: Einzelband
ISBN: 978-3-89667-480-7
Lesevergnügen: 351 Seiten
Preis: 19,99 €
Einband: gebundene Ausgabe
Bewertung: 5 Lesezeichen

Beginn:
»Verloren im Schatten der Regale, falle ich fast von der Leiter.«

Inhalt:
Clay Jannon sucht einen neuen Job und landet durch eine Stellenanzeige in der Buchhandlung von Mr. Penumbra, in die er vorher keinen Fuß gesetzt hat. Sie ist den ganzen Tag und die ganze Nacht geöffnet und Mr. Penumbra sucht jemanden für die Nachtschicht. Clay wird eingestellt und merkt sofort, dass diese Buchhandlung sonderbar ist. In der Nacht kommen oft die gleichen Kunden und verlangen atemlos nach einem neuen Buch aus der Ladenhüterabteilung. Dass sind die Bücher, die hauptsächlich ausgeliehen werden. Clay muss sich an Regeln halten. Er darf in keines der Bücher hineinsehen und muss jeden Kunden durch eine kurze Charakterisierung ins Logbuch eintragen. Das kommt ihm alles etwas seltsam vor, aber er tut es, weil er unbedingt einen Job braucht. Nach gut einem Monat hat er sich allerdings auch schon dran gewöhnt. Jede Nacht klettert er einige Meter hoch, um an das gewünschte Buch heranzukommen und es macht ihm Spaß. Als ihn sein Freund Mat besucht, möchte dieser unbedingt in eines der Bücher hineinsehen und erblickt unglaubliches. Es besteht aus unzusammenhängenden Buchstaben, einem Code, den der Leser scheinbar selber herausfinden muss. Die Freunde sind erstaunt und machen sich auf die Suche nach dem Geheimnis um Mr. Penumbras Buchhandlung. Gemeinsam kommen sie der Sache auf die Spur und forschen immer weiter. Ihre Spur führt sie zurück in die Anfangszeit des Buchdrucks…

Ort des Geschehens:
Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra spielt in San Francisco in ebendieser Buchhandlung. Clay Jannon beginnt, dort zu arbeiten, nachdem er seinen Job als Webdesigner verloren hat. Seine Wohnung steht ebenfalls in San Francisco, doch das hauptsächliche Geschehen findet in der Buchhandlung statt.

Meine Meinung:
Das erste Mal habe ich das Buch in einer Buchhandlung gesehen. Nicht im Internet und auch auf keinem Blog. Sondern tatsächlich in der Buchhandlung. Ich bin stehen geblieben, da das Cover aus vielen, vielen Büchern besteht und ich es sehr hübsch finde. Erst dann habe ich den Klappentext gelesen und gedacht, dass diese Lektüre etwas für mich wäre. Ich habe es auf meine Wunschliste gesetzt und zu meinem letzten Geburtstag bekommen. Auch der Titel hat mich total angesprochen. Das sich auf dem Cover noch ein Gesicht befindet habe ich erst entdeckt, als ich mir das Cover im Internet angesehen habe. Da ist mir das Profil eines Menschen aufgefallen und ich war sehr erstaunt. Aber was das zu bedeuten hat, klärt sich, wenn man das Buch gelesen hat.
»Ich stimme mit ein: ›Ja, er hat sie [die Bücher] in einer nagelneuen Schrift gedruckt, die von einem gewissen Griffo Gerritszoon entworfen wurde. Sie war der Wahnsinn. Noch nie hatte man so etwas gesehen, und sie ist mehr oder weniger immer noch die berühmteste Schrift aller Zeiten. Jeder Mac hat eine Gerritszoon vorinstalliert.‹ Im Gegensatz zur Gerritszoon Display. Die muss man klauen.« – S.169
Worum geht es in dem Buch genau? Um Clay Jannon, der das Geheimnis der Buchhandlung des Mr. Penumbra herausfinden möchte und es auch schafft. Das Geheimnis führt ihn zurück in die Anfangszeit des Buchdrucks und zu einer geheimen Gesellschaft. Dabei fallen dem Leser einige typografische Bezeichnungen in die Hände. Es geht außerdem um die Schrift Gerritszoon. Diese spielt eine große Rolle in der Lektüre. Früher, in Zeiten des Buchdrucks, wurden die Lettern aus Blei gegossen und einzeln eingesetzt. Das ist eine langwierige Aufgabe. Es gab die Schriftentwerfer, die Jahre gebraucht haben, um perfekte Formen der Buchstaben herzustellen. Unter anderem gab es Griffo Gerritszoon, der die gleichnamige Schrift entworfen hat. Immer wieder kommt der Autor darauf zu sprechen und am Ende geht es sogar um die Lettern selber.

»Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra« wird aus der Ich-Perspektive des Protagonisten Clay Jannon erzählt. Wir erleben die Lektüre aus seiner Perspektive und sind hautnah dabei. Der Autor hat ein spannendes Buch geschaffen, welches an einigen Stellen durch lustige Passagen aufgelockert wird. Es geht um Typografie und Buchdruck, aber vor allem ist es eine »Liebeserklärung an die Welt der Bücher« (The New York Times). Es ist vollgepackt mit einer Geschichte, die mich sehr gerührt hat und wo mir die Hauptpersonen von Anfang an gefallen haben. Jannon und Penumbra sind natürlich die Wichtigsten und sie befinden sich in der Buchhandlung, um die sich alles dreht.

Teilweise nennt Sloan Begriffe wie zum Beispiel Versalien oder Minuskelziffern, die der Leser so nicht unbedingt kennt und versteht. Ich kann damit auch nur etwas anfangen, weil ich das Fach Typografie momentan in meinem Studium habe und weiß, wie viele unterschiedliche Schriften es gibt, die für einen Laien teilweise wirklich gleich aussehen. Bei mir war es nicht anders. Da hätte ich mir im Buch für alle Leser, die sich damit nicht auskennen, ein paar Fußnoten gewünscht, auch wenn sie das Textbild zerstören. Wer die Begriffe nicht kennt und auch die Gerritszoon-Schrift nicht, der kann und sollte sich diese Lektüre trotzdem kaufen, denn man versteht die Geschichte an sich wunderbar. Es geht um Bücher. Keine normalen, aber um Bücher und der Autor hat das sehr gut verpackt.
»Es gibt keine Unsterblichkeit, die nicht auf Freundschaft und liebevoller, sorgfältiger Arbeit beruht. Alle wissenswerten Geheimnisse auf der Welt verbergen sich vor aller Augen.« – S.351
Das Ende ist toll. Sloan beschreibt, wie es mit den Personen des Buches weitergeht. Es gibt kein offenes Ende, was hier durchaus möglich wäre, aber nicht wünschenswert. Alle Geheimnisse werden aufgedeckt.

Résumé:
Eine tolle Geschichte. Spannend und witzig bringt Sloan ein Buch über Bücher heraus, welches mir gut gefallen hat. Ein kleiner Happen für Zwischendurch, aber ich bin froh, diese Lektüre zu besitzen. Ich vergebe 5 Lesezeichen.

Marie

Kommentare:

Nazurka

Dieses Cover ist schlicht und ergreifend der Wahnsinn. Allein deswegen lohnt es sich wahrscheinlich schon das Buch zu kaufen. Aber dein Fazit macht neugierig! Danke für den Tipp!

Liebste Grüße,
Nazurka

Marie

Das stimmt, das Cover ist wirklich toll! :)

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