29. Dezember 2014

[Rezi] Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert – Joël Dicker

Titel: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert
Originaltitel: La Vérité sur l'Affaire Harry Quebert
Autor: Joël Dicker
Verlag: Piper
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Roman, Krimi
Band: Einzelband
ISBN: 978-3-492-05600-7
Lesevergnügen: 727 Seiten
Preis: 22,99€
Einband: gebundene Ausgabe
Bewertung: 6 Lesezeichen

Beginn:
"Polizeizentrale! Sie möchten einen Notfall melden?"

Inhalt:
Marcus Goldman ist ein angesehener Schriftsteller, dessen erster Roman bereits Wochen auf der Bestseller-Liste des Landes Amerika stand. Nun soll er ein weiteres Buch schreiben, doch ihm fehlt jegliche Inspiration. Daher ruft er Monate später seinen einzigen wirklichen Freund, Harry Quebert, an, der ihm vielleicht noch helfen könnte. Goldman reist von New York in das kleine Städtchen Aurora an der Ostküste der USA. Dort angekommen umgibt ihn ein wohliges Gefühl, denn schon früher saß er in Queberts Anwesen auf Goose Cove und unterhielt sich stundenlang mit ihm. Dann findet man in Queberts Garten die Leiche der seit dreiunddreißig Jahren verschwundenen Nola Kellergan als Skelett, bei ihr, das Manuskript des Bestsellers "Der Ursprung des Übels" von Harry Quebert. Dieser steht nun unter dringendem Mordverdacht. Goldman kann nicht glauben, dass sein Vorbild ein damals fünfzehn jähriges Mädchen ermordet hat und macht sich auf eigene Faust ein Bild von der Situation. Sein Verleger macht ihm ein Angebot, welches er nicht ausschlagen kann. Er soll ein Buch über den Fall schreiben und somit seine Karriere wieder ankurbeln. Er stimmt zu, aber es soll kein Schundroman werden. Goldman will Queberts Unschuld beweisen. Gemeinsam mit Sergeant Perry Gahalowood gehen sie alle Fakten noch einmal durch und stoßen auf Ungereimtheiten. Nola Kellergan schien kein unbeschriebenes Blatt zu sein. Auf der Suche nach der Wahrheit sind viel mehr Menschen verdächtig, als vor dreiunddreißig Jahren, wo die Suche nach Nola abgebrochen wurde. Was wurde damals vertuscht? Und was ist wirklich passiert? Hat Quebert vielleicht doch die Nerven verloren?

Ort des Geschehens:
Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert spielt in dem kleinen Städtchen, Aurora, an der Ostküste der USA. Dort spielt das Geschehen zum einen in der Gegenwart und auch in der Vergangenheit. Des Weiteren gibt es einige wenige Stellen, in denen Goldman Kontakte nach New York pflegt.

Meine Meinung:
"Er [der Leser] muss einen Moment lang an nichts anderes denken als an das, was er gerade gelesen hat, und den Einband mit einem Lächeln, aber auch mit einer Spur von Traurigkeit betrachten, weil ihm alle Figuren fehlen werden. Ein gutes Buch, Marcus, ist ein Buch, bei dem man bedauert, dass man es ausgelesen hat." – S. 721
Dieses Zitat, welches Joël Dicker in seinem Buch schreibt, kann man ganz wunderbar auf sein eigenes Buch anwenden. Zu Anfang jeden Kapitels überrascht uns der Autor mit einer Weisheit über das Schreiben. Diese werden in der Geschichte von Harry Quebert verfasst, einem Schriftsteller, der sie seinem Lehrling und auch besten Freund Marcus Goldman ans Herz legt. Besonders bei diesem Zitat habe ich gemerkt, wie wahr sie sind. Seit einem Jahr liegt der Roman in meinem Regal und obwohl ich nur Gutes darüber gehört habe, habe ich ihn noch nicht gelesen. An Weihnachten wollte ich es dann unbedingt noch lesen und habe es sogar in nur vier Tagen geschafft, wenn man bedenkt, dass es ganze 727 Seiten sind. Und als ich den Roman zu Ende gelesen habe, spürte ich genau diese Traurigkeit, denn mir fehlten wirklich alle Personen. Am liebsten hätte ich gleich noch einmal von vorne angefangen zu lesen.
"Harry, wenn von all Ihren Lektionen nur eine einzige übrig bleiben dürfte, welche wäre das?" "Ich gebe die Frage an Sie zurück." "Für mich wäre es die von der Wichtigkeit, fallen zu können." "Ich bin ganz Ihrer Meinung. Das Leben ist ein langer Sturz, Marcus. Das Wichtigste ist, fallen zu können." – S.87
In diesem Buch fällt der Leser ganz gewiss. Wir erleben die Geschichte aus der Sicht von Marcus Goldman, der ein Buch schreiben möchte über den Fall. Nebenbei springen wir einige Male in die Vergangenheit zurück und erleben das Geschehen aus erster Hand. Das Buch "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" ist eine Mischung aus Krimi- und Liebesroman. Spannend schreibt der Autor eine Geschichte, die man nicht so leicht vergessen wird, denn wie auch in dem Buch steht, vergisst man eine Geschichte nicht so schnell, in der es um die Entführung eines fünfzehn jährigen Mädchens geht. Natürlich stößt man als erstes auf den Geliebten als Hauptverdächtigen, und wenn dann auch noch die Leiche in seinem Garten gefunden wird, ist das Chaos perfekt. Dicker versteht es wirklich, seine Leser in Atem zu halten. Goldman findet Neues heraus und es gibt einen weiteren Tatverdächtigen. Das geht immer so weiter. Man denkt, jetzt ist der wahre Täter gefasst, doch dann fehlt ein winziges Detail und jemand neues kommt in Betracht. So habe ich die vielen Seiten verschlungen und immer wieder gehofft, das Quebert unschuldig ist. Er konnte es nicht sein. Es war alles zu offensichtlich. Zu viele Indizien liefen zu ihm und das konnte doch nicht stimmen.

Der Roman besteht aus insgesamt 31 Kapiteln, die alle ziemlich lang sind. Der Schreibstil des Autor ist sehr leicht und das ermöglicht es dem Leser, sich viele Stunden in das Buch hineinzuversetzen. Ich habe jedes einzelne Wort gelesen, weil mich die Lektüre so sehr gefesselt hat.

Und dann kam das Ende: Ich dachte, nun ist es vollbracht! Das Rätsel ist gelöst und das wunderbare Buch zu Ende, aber nein. Wieder beginnt Marcus Goldman zu ermitteln, denn er hat ein kleines Detail in seinen Ermittlungen vergessen, was sehr wichtig ist. Genau das hat mich schlussendlich umgehauen. Ein grandioser Schachzug von Dicker, wie ich finde. Er lässt den Leser zunächst glauben, die Geschichte sei zu Ende und dann zieht er das Ass aus dem Ärmel.
"Wenn das Buch dem Ende zugeht, Marcus, bieten Sie Ihrem Leser in letzter Minute einen Überraschungseffekt." "Warum?" "Warum? Weil man den Leser bis zum Schluss in Atem halten muss. Das ist wie beim Kartenspielen: Ein paar Asse müssen Sie bis zum Ende im Ärmel behalten." – S.623
Zum Schluss erfahren wir die gesamte Wahrheit schließlich durch eine Rückblende in die Vergangenheit des 30. Augusts 1975. Darin wird alles genauv aus der Sicht von Nola beschrieben. Unglaublich spannend fand ich diese Szene und mir lief eine Gänsehaut den Rücken herunter. Ich konnte die Wahrheit nicht glauben...

Résumé:
Spannend und gefühlvoll schreibt Joël Dicker einen Roman, der nie wieder in Vergessenheit gerät, denn dafür ist die Lektüre zu gut. Mich hat "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" sehr mitgenommen und ich möchte euch dieses Buch sehr ans Herz legen. Ihr müsst es unbedingt lesen! 6 Lesezeichen!!!

Marie

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