20. Juli 2014

[Rezi] Der Dunkle Wächter – Carlos Ruiz Zafón

Titel: Der Dunkle Wächter
Originaltitel: Las Luces de Septiembre
Autor: Carlos Ruiz Zafón
Verlag: Fischer Jugendbuch
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Jugendbuch, Spannung
Band: Einzelband
ISBN: 978-3-596-85388-5
Lesevergnügen: 344 Seiten
Preis: 17,95€
Einband: Hardcover
Bewertung: 6 Lesezeichen

Beginn:
"Liebe Irene,
die Septemberlichter haben mich gelehrt, Deine Fußspuren in Erinnerung  zu behalten, die von den Gezeiten hinweggespült wurden."

Inhalt:
Nachdem Irenes und Dorians Vater und Simones Mann Armand Sauvelle gestorben ist, muss die Familie ihr bisheriges Leben aufgeben. In einer armen Gegend in Paris leben sie Tag für Tag, bis Simone ein Angebot erhält, welches sie nicht ablehnen kann. Lazarus Jann, ein Spielzeugfabrikant, der auf dem geheimen Anwesen Cravenmoore lebt, sucht eine Haushälterin, die sich um allerlei Dinge kümmert, die auf Cravenmoore anfallen.
Ein paar Tage später ziehen Irene, ihr Bruder und ihre Mutter in das Dorf an der Küste der Normandie. Ein großes Haus, direkt am Meer. Die Aussicht auf die wogende See ist atemberaubend und alles scheint friedlich. Irene lernt Ismael kennen, und freundet sich ebenfalls mit seiner Schwester Hannah, der ehemaligen Haushälterin an. Gemeinsam mit Ismael segelt sie auf das Meer hinaus und fühlt sich in seiner Nähe unheimlich wohl.
Doch dann gibt es plötzlich eine Tote, Hannah, und das Dorf ruft Erinnerungen an die 20er-Jahre hervor. Auch dort geschahen Morde. Hannah scheint etwas Schrecklichem begegnet zu sein. Bald merken auch Irene und Ismael, das dunkle Schatten durch das Anwesen jagen und eine schreckliche Kreatur im Wald ihr Unwesen treibt. Plötzlich befinden sie sich mitten drin und es scheint keinen Ausweg zu geben. Sie müssen sich dem geheimnisvollen Schatten stellen.
Zur gleichen Zeit geschieht etwas zwischen Lazarus Jann und Simone. Die beiden kommen sehr gut miteinander aus. Sie treffen sich und erzählen sich Geschichten. Dann greift der Schatten auch Simone an und Lazarus scheint ein Geheimnis zu verbergen.
Alle müssen sich entscheiden. Werden sie die richtige Entscheidung treffen? Und vor allem, was haben Lazarus Jann und seine Spielzeuge damit zu tun? Die Zeit rennt und der Schatten rückt gefährlich nahe...

Ort des Geschehens:
Die Geschichte spielt 1936 in Paris, in einem armen Viertel, in dem Irene, Dorian und deren Mutter Simone wohnen, seit Armand Sauvelle gestorben ist. Mit ihm haben sie alles verloren. Später, im Sommer 1937 reisen die Sauvelles in die Normandie, an die Küste. Dort geht Simone dem Spielzeugfabrikanten zur Hand auf dem Anwesen Cravenmoore.

Meine Meinung:
Zugegeben, dies ist nicht das erste Buch, das ich von dem Autor lese und auch "Der Dunkle Wächter" lese ich nicht zum ersten Mal. Außer "Der Gefangene des Himmels" und "Der Fürst des Parnass", eine Erzählung, habe ich alles von ihm gelesen, das ins Deutsche übersetzt wurde. Bisher habe ich keines seiner wunderbaren, wortgewaltigen Bücher bereut und auch hier kann ich wieder nur lobende Worte aussprechen.
"Die Zeit vergeht, und wir bemerken es gar nicht, nicht wahr?" – S. 20
Dieses Zitat, welches sich nah am Anfang des Buches befindet, trifft auch auf "Der Dunkle Wächter" zu. Die Kapitel sind sehr lang, gehen manchmal über mehr als 40 Seiten, doch das hindert den Leser nicht am schnellen Lesen. Die Schrift ist nicht allzu klein und ich hatte immer wieder das Gefühl, nichts anderes zu tun, außer umzublättern. Dieses Jugendbuch verschlingt man. Hat man erst einmal richtig angefangen, so ist man auch innerhalb eines Tages fertig, vielleicht auch zwei. Erzählt wird die Geschichte von einem auktorialen Erzähler, der immer genau weiß, was wo gerade passiert und wie sich die Protagonisten fühlen. Alle Hauptpersonen werden beim Namen genannt und so wusste ich, in welche Perspektive der Erzähler gerade springt. Es gibt erstens Simone, zweitens Irene und Ismael und drittens Dorian. Überall taucht früher oder später Lazarus Jann auf, der bereits zu Anfang sehr geheimnisvoll und düster wirkt, weil der Leser keine Beschreibung seiner selbst erhält. Er ist umgeben von seinen mechanischen Spielzeugen, die ein Eigenleben entwickelt zu haben scheinen und ebenfalls eine dunkle Atmosphäre herbeirufen. Alle anderen Charaktere jedoch wirkten auf mich hell und einladend. Um Cravenmoore wird schon im Klappentext ein Geheimnis gemacht. Düster liegt es einsam im Wald, der voller Spielzeuge ist. So oder so ähnlich habe ich mir das Anwesen vorgestellt. Ein riesiges Haus, ähnlich einem Schloss, mit dunklen, großen Fenstern. Im Laufe des Buches ändert sich mein Bild nicht wirklich. Es wird bloß schlimmer.
"Was vor Stunden als bloße Neugier begonnen hatte, war im Laufe der Nacht immer stärker geworden und hatte sich schließlich in Besessenheit verwandelt." – S. 125
Es gibt ein paar wenige Stellen, an denen das weitere Geschehen angedeutet wird. Normalerweise finde ich dieses Stilmittel etwas fragwürdig, zeugt es doch davon, dass der Autor seine Leser neu fesseln muss, aber in diesem Jugendbuch dient es nicht dazu. Die Spannung wird im Laufe der ersten Kapitel aufgebaut und erreicht ihren Höhepunkt erst am Ende. Carlos Ruiz Zafón hat dieses Stilmittel nicht unbedingt nötig, aber mir hat es an der gewünschten Stelle einen Schauer über den Rücken gejagt. Ich wollte einfach nur noch wissen, wie es ausgeht und wer alles am Leben bleibt. Spannend bis zum Schluss erzählt Zafón eine Geschichte, die unheimlich, spannend und aufregend ist. Er bleibt seiner Art treu.

Viele Leser kennen das Buch "Der Schatten des Windes" oder auch "Das Spiel des Engels", die ich auch schon gelesen habe. Wenige kennen seine Jugendbücher, zu denen "Der Fürst des Nebels", "Der Mitternachtspalast" und eben auch "Der Dunkle Wächter" gehört. Ich liebe alle Bücher von ihm und sie sind alle so schön geschrieben. Die Orte, an denen das jeweilige Geschehen spielt, sind magisch, aber zugleich auch gruselig. Jugendbuch hin oder her, sie sind genauso toll, wie seine Romane, die sich großer Beliebtheit erfreuen, auch bei mir. Sie sind vielleicht nicht ganz so vollgepackt mit dem Thema Bücher, aber sie sind eine wunderbare Abwechslung nach einem eher anstrengenden Buch.

Résumé:
Spannend, unheimlich, tolle Charaktere, wunderbarer Stil, der sich durch alle seine Werke zeiht. Carlos Ruiz Zafón weiß, was er scheibt und ich finde es gut, sehr gut. Obwohl "Der Dunkle Wächter" ein Jugendbuch ist, empfehle ich es allen Bloggern. Wem "Der Schatten des Windes" gefallen hat, der wird auch dieses Buch lieben. ~ 6 Lesezeichen.

Marie

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