24. Mai 2014

[Rezi] Shining – Stephen King

Titel: Shining
Originaltitel: The Shining
Autor: Stephen King
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsjahr: November 2013 (51. Auflage)
Genre: Thriller
Band: Einzelband
ISBN: 978-3-404-13008-5
Lesevergnügen: 624 Seiten
Preis: 9,99€
Einband: Taschenbuch
Bewertung: 3 Lesezeichen

Erster Satz:
"Schmieriger kleiner Scheißkerl, dachte Jack Torrance."

Inhalt:
Nachdem Jack Torrance seine Arbeit als Lehrer an den Nagel hängen muss, weil er einen seiner Schüler schlug, bewirbt er sich für den Job als Hausmeister in einem Hotel hoch in den Bergen von Colorado, dem "Overlook". Ihm wird zugesagt und er reist zusammen mit seinem Sohn Danny und seiner Frau Wendy in den letzten Tagen des milden Herbstes an.
Was sie nicht wissen: Das "Overlook" ist ein gefährlicher Ort. Nur Danny ist sich sicher, dass das Hotel ihrer aller Tod bedeutet. Der kleinen Familie wird bewusst, dass sie hier nicht bleiben können, doch Jack ist dem Hotel bereits verfallen. Er kann und will nicht weg. Er wird zum ausführenden Organ aller bösen und grausamen Wünsche. Vor vielen Jahren ereigneten sich im "Overlook" Morde. Die Toten scheinen auferstanden zu sein und versetzen Wendy und Danny in Angst und Schrecken. Sie wollen fliehen, doch der wütende Schneesturm macht es ihnen unmöglich, dem Hotel zu entkommen. Sie wollen sich verstecken und warten bis Hilfe kommt, doch das kann Monate dauern.
Langsam aber sicher wird Jack verrückt. Das Hotel beeinflusst seine Gedanken und Gefühle. Plötzlich geht er auf seine Frau los. Diese wehrt sich, denn sie weiß, dass Jack eigentlich Danny sucht und dieser kann sich nicht wehren. Als sie blutend und völlig kraftlos am Boden liegt, erregt etwas anderes Jacks Aufmerksamkeit. Und dann findet er Danny. Wird die Familie dem "Overlook" die Stirn bieten, oder ist alles verloren?

Meine Meinung:
"Shining" ist das erste Buch, welches ich von Stephen King gelesen habe. Ich kenne ein paar Freunde, die den Film gesehen, aber nicht das Buch gelesen haben. Ich wollte mich selbst überzeugen und schauen, was den Autor so besonders macht. Tja, ehrlich gesagt bin ich nun auch nicht schlauer. Das Buch hat mich ziemlich enttäuscht. Für einen Thriller war die Geschichte sehr soft. Ich habe so viel erwartet: Spannung, Action, tolle Charaktere. Aber fast alles blieb zunächst aus. Auf Seite 300 angekommen dachte ich, dass der eigentliche Teil auch bald losgehen müsste. Ich zweifelte schon daran, dass es überhaupt noch in Fahrt kommt. Ungefähr auf Seite 400 wurde es dann spannender und am Ende ging es richtig los, aber da war das Buch auch bereits zu Ende.
Erst einmal erfährt der Leser alles und wirklich alles, jedes kleine Detail, über die Umstände, die die Familie Torrance nach Colorado, in das "Overlook"-Hotel, führt. Der Leser erfährt, was die einzelnen Protagonisten in ihrer Vergangenheit alles getan haben und was den Charakter der Person ausmacht. Das ist im Grunde genommen keinesfalls schlecht, doch wenn sich dies auf mehr als 300 Seiten hinzieht, fragt man sich, wann der Thriller losgeht.

Ich habe vor "Shining" keinen anderen Thriller von Stephen King gelesen. Ich habe zwar immer gefragt, wer welches Buch gut fand, doch die meisten kannten sich nur mit den Filmen aus. Ich wusste nicht, wie der Autor schreibt, in welchem Stil, aber ich wollte es einfach mal ausprobieren. Stephen King kennt fast jeder und da betrachte ich es als ein Muss, wenigstens ein Buch von ihm zu lesen. Man hört so viel um seine Person und seine Bücher sind weltbekannt. Da müssen sie doch gut sein. Ich ließ mich also auf das Abenteuer ein. Ich muss dazu sagen, dass das Buch nie langweilig wurde. So ist es nicht. Auch wenn wir so vieles über die Familienverhältnisse erfahren haben, passierte zwischendrin immer eine Kleinigkeit, die mich überrascht hat und das im positiven Sinne. Auch wenn das eigentliche Geschehen erst am Schluss begann, musste ich zuvor an einigen Stellen lachen, die urkomisch waren und wo es nicht möglich war, ernst zu bleiben.
"Eine raue Stimme, brutal von genossenem Alkohol, brüllte: "Die Masken ab, jetzt wird gefickt!" – S. 458
Aus der Luft gegriffen ist dieses Zitat gar nicht mal so lustig, doch im Zusammenhang mit der Textstelle und dem Teil, den man zuvor gelesen hatte, ist es zum Schreien komisch. Es gab noch einige Textstellen, an denen ich herzhaft lachen musste.

Was mir aufgefallen ist, und das ist mir vorher noch bei keinem einzigen Buch passiert, egal ob Thriller, Roman oder Komödie, ist, dass ich gegenüber einer Hauptperson einen gewissen Hass empfunden habe – Jack Torrance. Dazu erzähle ich euch etwas über seine Vergangenheit:
Jack lebte in Stovington und war dort Lehrer an einer Schule. Sein Freund, ebenfalls Lehrer, Al Shockley, war Alkoholiker. Auch Jack wurde zu einem. Er begann zu trinken. Nach der Schule, den ganzen Tag und die ganze Nacht lang. Am Morgen wachte er mit einem Kater auf und begab sich wieder zu seiner Arbeit. Eines Tages verschüttete sein Sohn Danny Kaffee auf Jacks Unterlagen und erfuhr, wie sein Vater ausrastete. Er brüllte und wollte Danny festhalten, sodass er ihn schlagen konnte und dabei brach er ihm den Arm. Seine Frau Wendy konnte es ihm nie verzeihen, doch weil Danny Jack so sehr liebte, fiel der Begriff Scheidung nur in ihren Gedanken. Dann hörte Jack mit dem Trinken auf. Nie wieder rührte er einen Tropfen Alkohol an, obwohl er so oft das Verlangen dazu spürte. In einer Debattier-AG gab es einen Schüler, George Hattfield, der immer stotterte, wenn er aufgeregt war. Er beschuldigte Jack, die Zeit vorgestellt zu haben, damit dieser sein Stottern nicht mehr anhören musste. Darauf gerieten die beiden aneinander und Jack begann, auf den Jungen einzuprügeln. Er verlor seine Anstellung als Lehrer und war arbeitslos. Al Shockley brachte ihm den Job als Hausmeister im "Overlook" und die Familie zog, immer noch zusammen, nach Colorado, in die Berge. Dort angekommen schien alles perfekt zu sein, doch mit der Zeit veränderte sich das Bild. Jack bekam immer öfter Wutausbrüche und verpasste seinem Sohn eine Ohrfeige. Nach und nach wurde er immer verrückter und dachte immer öfter an einen Drink. Das Hotel gab ihm schließlich den Rest.
Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich Jack von Anfang an nicht mochte, doch am Ende hegte ich einen regelrechten Hass auf ihn. Wie er mit seiner Frau und seinem Sohn, und ja, auch mit George Hattfield, umging, konnte ich nicht gutheißen. Je mehr ich über ihn erfuhr und je mehr ich las, desto weniger mochte ich ihn. Auch wenn ich weiß, dass das Hotel ihn soweit gebracht hat, empfinde ich kein Mitgefühl. Ich kann mich an keinen Protagonisten in irgendeinem Buch erinnern, den ich so wenig mochte, wie Jack Torrance und ich habe viele Bücher gelesen.
"Im Übrigen hielten andere Fälle sie genügend in Atem. Paranoide, Schizoide, Zykloide, Semikatatoniker, Leute, die behaupteten, mit fliegenden Untertassen im Weltraum gewesen zu sein, Frauen, die Sexualorgane ihrer Kinder mit Feuerzeugen angesengt hatten, Alkoholiker, Pyromanen, Kleptomanen, Manisch-Depressive und Selbstmordgefährdete. Das Leben ist hart, Baby. Wenn du nicht fest zusammengeschraubt bist, fängst du schon an zu rasseln und zu klappern und auseinanderzufallen, bevor du das dreißigste Lebensjahr erreicht hast." – S. 363
In dieses Zitat passt Jack Torrance perfekt hinein, auch wenn hier eigentlich nicht die Rede von ihm ist. Überall kann man ihn wiederfinden und dass ich ihn nicht mag, wurde mir vor allem am Ende bewusst.

Die Spannung kam spät, aber sie kam. Am Ende wurde ich mit der Geschichte mitgerissen und las 300 Seiten am Stück. Gut ist, dass wir miterleben, wie Jack immer verrückter wird und den Verstand verliert. Auch wenn es erst auf den letzten 100 Seiten richtig zur Sache ging, wurde das Buch nicht langweilig. Es ist nur sehr schade, dass es erst so spät wirklich losging und wir so viel über die Person Jack Torrance erfahren haben.

"Shining" wird von einem allwissenden Erzähler berichtet, der immer wieder von Person zu Person springt. Absätze gibt es dabei selten. Trotzdem ist immer klar, von welchem Protagonist die Rede ist.

Leider muss ich noch einen Kritikpunkt hinzufügen, der vielleicht bei anderen Lesern gar keiner ist. "Shining" ist als Thriller ausgezeichnet, doch ich bin eher der Meinung, dass es ein Psycho-Thriller ist. Auf der Rückseite des Buches steht: "[...], ein Buch, das all die Ängste, die tief in uns schlummern, erfasst und jeden Leser in seinen emotionalen Grundfesten erschüttert.". Ängste, die tief in mir schlummern? Nein! Erschütterung der emotionalen Grundfeste? Auch nein!

~ Das Buch war gut, doch viele kleine und große Unstimmigkeiten machen es für mich nicht perfekt. ~

Résumé:
Die Geschichte ist vor allem lustig. Zum Ende hin kommt die Spannung und der Leser wird mitgerissen. Davor erfahren wir viel über die Umstände, die die Familie nach Colorade führen. Zu viel, meiner Meinung nach. Das Buch wird zwar nicht langweilig und wird ab und zu aufgelockert, doch weil die Spannung viel zu spät kommt, vergebe ich nur 3 Lesezeichen.

Eure Marie

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