9. Mai 2014

[Rezi] Marina – Carlos Ruiz Zafón

Titel: Marina
Originaltitel: Marina
Autor: Carlos Ruiz Zafón
Verlag: Fischer
Erscheinungsjahr: 2013 (8. Auflage)
Genre: Liebesdrama, Roman
Band: Einzelband
ISBN: 978-3-596-18624-2
Lesevergnügen: 350 Seiten
Preis: 9,99€
Einband: Taschenbuch
Bewertung: 6 Lesezeichen

Erster Satz:
"Marina sagte einmal zu mir, wir erinnerten uns nur an das, was nie geschehen sei."

Inhalt:
Barcelona: Ende der 70er-Jahre. Als der junge Óscar Drai durch die Prachtstraßen Barcelonas wandert, ahnt er noch nicht, dass er einem Mädchen begegnen wird, welches er nie wieder vergessen soll. Ebenso die Geschichte, die die beiden erleben wird für immer in seiner Erinnerung bleiben. Und sie wird ihn einholen. 15 Jahre später.
Um aus dem Internat rauszukommen, beschließt Óscar, durch die Straßen Barcelonas zu schlendern. Er dringt in ein Haus ein, jedoch ohne böse Absichten. Ein Geräusch lässt ihn zusammenfahren und er rennt wieder weg, zurück ins Internat. Dort angekommen merkt er, dass er eine goldene Uhr in der Hand hält. Entschlossen, diese wieder zurückzugeben legt er sich ins Bett. Einige Tage später ist es soweit. Er macht sich auf den Weg zur Villa. Auf dem Fahrrad kommt ihm ein Mädchen entgegen: Marina. Sie ist wunderschön, ihre Haut ist so blass, wie ihr Kleid und Óscar kann kaum die Augen von ihr abwenden. Er erfährt, dass sie in der Villa wohnt, aus der er die Uhr gestohlen hat. Anstatt ihn keines Blickes zu würdigen, lädt sie ihn ein. In ihrer und ihres Vaters Gesellschaft fühlt er sich wie zu Hause und er möchte sich öfter mit Marina treffen.
Gemeinsam begegnen sie einer mysteriösen Dame in Schwarz auf einem Friedhof. Jedes Mal bleibt sie vor dem gleichen namenlosen Grab stehen. Neugierig folgen Marina und Óscar ihr. Doch schon bald wird aus der Dame in Schwarz ein Albtraum. Michail Kolwenik, Ewa Irinowa, Luis Claret, Dr. Shelley. Plötzlich befinden sich die beiden in der Vergangenheit. Ein nie aufgeklärtes Rätsel kommt ans Tageslicht. Ein Mord und es werden noch mehr. Der Teufel, in Form eines schwarzen Schmetterlings, jagt sie und ein seltsames Fotoalbum erregt ihre Aufmerksamkeit. Doch dann sind sie dem Tod näher als dem Leben und sie müssen sich entscheiden. Die Vergangenheit kam nicht umsonst niemals ans Tageslicht.

Meine Meinung:
Óscar und Marina erleben zum ersten Mal etwas wie Freundschaft und Liebe. Durch Zufall begegnen sie sich und werden Freunde. Sie lebt mit ihrem Vater Germán in einer großen Villa. Er in einem Internat, welches er nicht immer verlassen darf. Doch das hält ihn nicht auf. Er fühlt sich bei den beiden geborgen und möchte etwas mit Marina erleben. Das Erlebnis lässt nicht lange auf sich warten. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach der Wahrheit, doch dazu müssen sie sich in die Vergangenheit begeben.
"Marina" wird erzählt. Von Óscar Drai. Nach 15 Jahren holt ihn die Erinnerung ein und er erzählt uns die Geschichte, wie er sie erlebt hat. Lediglich zu Anfang und am Ende wird dem Leser bewusst, dass das Geschehen nicht erlebt wird, sondern bereits erlebt wurde, doch während der Lektüre ist man als Leser so vertieft, dass dieser das Gefühl hat, die Ereignisse würden sich gerade erst in diesem Moment abspielen. Aber das ist auch der Sinn der Sache. Wir werden in die Erinnerung geworfen und durchleben sie zum ersten Mal. Alles ist neu. Erst wenn das Buch ausgelesen ist, setzt die Erinnerung an das Geschehen ein.
"Im Mai 1980 verschwand ich eine Woche lang vom Erdboden. Sieben Tage und sieben Nächte wusste kein Mensch, wo ich mich befand. Freunde, Kameraden, Lehrer und selbst die Polizei stürzten sich in die Suche nach dem Flüchtigen, den einige schon für tot hielten, während andere dachten, er habe sich in einem Anfall von geistiger Umnachtung in übel beleumdeten Straßen verirrt." – S. 9
Das Verschwinden Óscar Drais wird am Ende des Buches aufgeklärt. Alles wird aufgeklärt und doch sitzt der Schock tief. Lediglich der Leser erfährt neben Marina und Óscar die gesamte Wahrheit. Kein anderer Protagonist wird in die Wahrheit eingeweiht, nicht einmal Germán. Wir wissen, was passierte und wie es dazu kam. Auch wenn wir zunächst auf eine andere Spur gelenkt werden, so befinden wir uns am Ende auf der richtigen. Doch die richtige Spur ist nicht immer die glückliche.

Das Buch kocht über vor Emotionen und der Autor weiß sie gezielt einzusetzen. Der Schluss ist unheimlich traurig und ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich habe schon lange nicht mehr bei einem Buch geweint, doch Carlos Ruiz Zafón schafft es immer wieder. Es macht mich unglaublich stolz, zu wissen, dass ich, als Leser, das Privileg habe, in Óscars Erinnerung zu schlüpfen. Die Wahrheit, die uns dabei offenbahrt wird, ist unheimlich, traurig und grauenvoll. Die Abscheu, die uns an einigen Stellen erfasst, wandelt sich um in Verlangen. In das Verlangen, die Wahrheit zu erfahren, dem Grauen, welches die Seiten beherrscht, ein Ende zu setzen. Und doch sind wir machtlos.
"Der alte Friedhof von Sarriá ist einer der verstecktesten Winkel Barcelonas. Sucht man ihn auf einem Stadtplan, dann findet man ihn nicht. Fragt man Anwohner oder Taxifahrer, wie man hingelangt, dass wissen sie es ziemlich sicher nicht, obwohl alle schon von ihm gehört haben. Und wenn jemand es vielleicht wagt, ihn auf eigene Faust zu suchen, verirrt er sich höchstwahrscheinlich. Die wenigen, die das Geheimnis seiner Lage kennen, vermuten, dass dieser alte Friedhof eigentlich nichts weiter ist als eine Insel aus der Vergangenheit, die nach Lust und Laune auftaucht und wieder verschwindet." – S. 41
Marina und Óscar entführen uns in die geheimnisvolle Welt Barcelonas. Nein. Eigentlich ist es doch mehr der Autor, der uns die wunderschöne Stadt näher bringt. Bereits in "Der Schatten des Windes" und "Das Spiel des Engels" haben wir die Stadt kennen und lieben gelernt. Er zeigt uns die Magie und die Leidenschaft Barcelonas. Immer wieder freue ich mich über die Geschichten des Autors. Gezielt bringt er die Charaktere ein und lässt sie lebendig werden. Der Leser wird von der Sprachgewalt mitgerissen und entführt. Einmal angefangen, kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Von vielen Bücherwürmern habe ich gehört, dass sie "Marina" ebenfalls als Jugendbuch durchgehen lassen. Die Jugendbücher, die der Autor geschrieben hat, sind wirklich gut. Ich habe sie auch gelesen, aber meiner Meinung nach spielt "Marina" in einer ganz anderen Liga. Wenn ich heute sehe, was sie Jugendlichen lesen, wenn sie denn überhaupt lesen, dann würde ich das Buch niemals als Jugendbuch ansehen. Der Roman ist vielleicht nicht ganz so anspruchsvoll wie zum Beispiel "Der Schatten des Windes", aber trotzdem definitiv ein Roman. Auch wenn "Marina" vor den anderen Büchern spielt, so ist es nicht schlimm, wenn es danach gelesen wird. Ich kann nicht sagen, welches Buch des Autors ich am besten finde, denn sie haben mich alle begeistert. Jedes Buch auf seine Weise. Ich liebe sie alle und kann alle weiterempfehlen. Carlos Ruiz Zafón hat mal wieder ein Buch geschaffen, in dem man träumen kann.

~ Es ist grandios. Magisch. Wunderbar. Traurig. Spannend. Dramatisch. Es ist von Carlos Ruiz Zafón. ~

Résumé:
Die Reise, in die uns der Autor entführt, will nie wieder vergessen sein. Das tragische Ende setzt dem ganzen die Krone auf. Ich ziehe meinen Hut! ~ 6 Lesezeichen

Marie

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