30. Mai 2014

[Rezi] Der Schattengänger – Monika Feth

Titel: Der Schattengänger
Autorin: Monika Feth
Verlag: cbt
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Thriller, Jugendbuch
Band: Teil IV
ISBN: 978-3-570-30393-1
Lesevergnügen: 414 Seiten
Preis: 8,95€
Einband: Taschenbuch
Bewertung: 6 Lesezeichen

Erster Satz:
"Er blieb ein paar Sekunden reglos sitzen, bevor er die DVD herauszog und den Fernseher ausschaltete."

Inhalt:
Jette und Merle sind überglücklich. Nach langem Suchen haben sie endlich eine neue Wohnung gefunden, die für sie beide, ihre drei Freunde Mina, Ilka und Mike, und auch die Tiere groß genug ist. Es ist ein alter Bauernhof. Mit viel Liebe sind die Freundinnen dabei, ihn zu renovieren und es bereitet ihnen großen Spaß. Mit diesem Hof geht für Merle ein Traum in Erfüllung.
Jettes Mutter, die bekannte Bestsellerautorin Imke Thalheim, scheint das Glück jedoch nicht anzusiehen. Seit einiger Zeit wird sie von einem Stalker verfolgt. Zunächst waren es nur ein paar Anrufe, Briefe und Blumen, doch Imke merkt schnell, dass es sich hierbei um einen Psychopaten handelt und schaltet den Kommissar Bert Melzig ein, dem sie vertraut. Er begutachtet die Beweise, doch da der Stalker anonym bleibt, ist es sehr schwierig, ihn aufindig zu machen. Und der Täter scheint gerissen zu sein. Nirgendwo hinterlässt er Spuren. Die Polizei kann ihn nicht finden. Als Imke Thalheim auf Wunsch ihres Freundes Tilo und ihrer Tochter untertaucht, macht der Stalker seinen ersten Fehler. Er tötet die Putzfrau der Thalheims und wird immer rasender vor Wut. Er muss sie finden, denn er liebt sie. Als sie nach mehr als einem Monat für ihn immer noch nicht auffindbar ist, sieht er nur noch eine Möglichkeit, an sie heranzukommen. Er bringt Jette in seine Gewalt. Aus Sorge um ihre Tochter begibt sich Imke in die Hände des Mannes, ohne zu ahnen, dass sie sich damit in tödliche Gefahr begibt...

Meine Meinung:
Band IV wird, die die vorherigen Bände auch, aus mehrern Sichten erzählt. Jeder Protagonist hat eigene Gedankengänge und Gefühle und bringt sie auch zum Ausdruck. Das Buch nimmt bei fast allen Personen eine erzählende Haltung ein. Bis auf Jette. Sie berichtet aus der Ich-Perspektive. Somit ist der Leser am meisten mit ihr verbunden. Wir erleben ihre Familie, ihre Freunde. Wie sie zusammen agieren und denken. Außerdem erfahren wir viel über die täglichen Abläufe. Wir blicken hinter die Fassade jeder einzelnen Person. Auch hinter die des Stalkers Manuel. Dadurch wird dem Leser eine unbefangene Sicht ermöglicht. Wir können uns entscheiden, auf wessen Seite wir uns schlagen. Ich für meinen Teil habe es bereits seit dem ersten Band getan und tue es auch hier wieder. Ich unterstütze Jette und Merle. In diesem Fall auch Jettes Mutter. Die beiden Freundinnen sind unzertrennlich und stehen auch das Schlimmste durch, was sie bewiesen haben. Sie vertrauen einander und verstehen sich blind. Man muss sie einfach sympathisch finden. Ich mochte sie von Anfang an und das hat sich bis jetzt nicht geändert. Im Gegenteil. Ich mag sie von Teil zu Teil mehr.
"Als bekannte, in der Öffentlichkeit stehende Schriftstellerin besaß Imke Thalheim kein Leben, dass nur ihr allein gehörte. Es wurde vielfältig zur Schau gestellt, im Radio, im Fernsehen, bei Veranstaltungen und vor allem im Internet. "Wir leben in einer Zeit, in der es keine Geheimnisse mehr gibt", sagte Bert. "Über kurz oder lang schnüffelt diese Gesellschaft jedes Detail über jeden Einzelnen aus, solange es nur von allgemeinem Interesse ist." Gedankenverloren nippte Imke an ihrem Tee. "Die Kehrseite des Erfolgs", murmelte sie." – S. 52
Das Thema, welches die Autorin Monika Feth in diesem Buch anspricht, erleben wir auch im richtigen Leben. Alle Prominenten haben doch mindestens schon eine negative Schlagzeile über sich gelesen. Im Internt, in Zeitschriften, im Fernsehen. Überall wird darüber berichtet. Es kommt auch vor, dass sich ein heimlicher Verehrer darunter mischt. Stalking kommt allerdings nicht mur bei prominenten Menschen vor. Man erhält Briefe, der Täter ruft immer wieder an, meistens legt er sofort wieder auf und irgendwann ist er an dem Punkt angekommen, an dem er alles gibt, um an sein Opfer heranzukommen.
So auch in diesem Buch. Der Stalker, Manuel, ist unendlich verliebt in Imke Thalheim, doch sie hat Angst vor ihm. Immer wieder bringt er sie an den Rand der Verzweiflung, bis sie sich ihm schließlich entzieht. Sie kapselt sich von ihrer Familie ab um sie zu schützen, doch damit erreicht sie das genaue Gegenteil. Manuel nimmt sich, was er möchte und er nimmt sich Jette. So möchte er an Imke herankommen und es funktioniert.

Aber eine Mutter opfert sich doch eigentlich immer für ihre Tochter und in diesem Fall ist Jette nicht das erste Mal in die Fänge eines Psychopaten geraten. Sie scheint das Unglück magisch anzuziehen und als Leser habe ich Mitleid mit ihr. Immer wieder gerät sie an die falschen Leute und jedes Ereignis prägt sie. Als Jette und Merle sich den Bauernhof gekauft haben, war sie dabei zu vergessen. Sie war auf einem guten Weg, doch der Stalker hat wieder einmal alles kaputt gemacht. Mir kamen die Tränen. Einem einzelnen Menschen kann doch nicht so viel Unglück geschehen. Der Leser blickt durch die Ich-Perspektive, aus der Jette, und nur Jette, berichtet, direkt in ihre Gedanken und Gefühle. Umso glücklicher macht es mich, dass sie eine so gute Freundin hat, die sie nicht im Stich lässt.
Gibt es so etwas denn nur in Büchern? Allerbeste Freundinnen, mit denen man alles machen kann. Mit der man lachen und weinen kann? Einfach glücklich sein? Ich wünschte es wäre nicht so. Ich wünschte, es gäbe sie auch im wahren Leben. Doch dadurch wird "Der Schättengänger" zu einer Lektüre, die man nicht mehr loswird. Man erinnert sich an die Geschichte, auch wenn man das Buch länger nicht mehr gelesen hat. Man erinnert sich an die Gefühle, die man empfunden hat. An das Glück, welches man empfunden hat, an die Traurigkeit. Diese Tatsache macht den Roman zu etwas Besonderem, zu etwas Einzigartigem.

~ Der Leser hängt gespannt an den Lippen der Autorin. In diesem Fall aber an den Worten der Autorin. ~

Fesselnd entführt sie uns in eine Welt, aus der der Leser erst herauskommt, wenn er das Buch beendet hat. Unglaublich spannend wird es auf den letzten Seiten, sodass man fast der Meinung ist, den Atem anhalten zu müssen, damit der Täter einen nicht hört, wobei er das sowieso nicht kann. Aber das Gefühl ist da und es fühlt sich gut an, ein Teil der Geschichte zu sein.

Résumé:
Ein wirklich tolles Buch. Wunderbare Charaktere, die Geschichte stimmt, alles stimmt. Zum mehrmals lesem empfohlen. Ein grandioses Exemplar der Autorin! ~ 6 Lesezeichen

Eure Marie

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