16. März 2014

[Rezi] Der Scherbensammler – Monika Feth

Titel: Der Scherbensammler
Autorin: Monika Feth
Verlag: cbt
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Thriller
Band: Teil III
ISBN: 978-3-570-30339-9
Lesevergnügen: 383 Seiten
Preis: 8,95€
Einband: Taschenbuch
Bewertung: 6 Lesezeichen

Erster Satz:
"Es war, als hätte sie sich in ihrem Innern ein Nest gebaut."

Inhalt:
Nach den schrecklichen Ereignissen der Vergangenheit gönnen sich Mike und Ilka eine Auszeit und reisen ein bisschen durch die Welt. Zurück bleiben Jette und Merle, doch viel Zeit haben die beiden nicht. Auf Merle wartet die Arbeit im Tierheim. Jette pfegt alte Menschen mit Demenz. Mit ihnen versteht sie sich sehr gut. Sie geben ihr das Gefühl, geborgen zu sein, auch wenn sie ihre Worte nicht immer wahrnehmen und sie meistens gleich darauf wieder vergessen.
Dann begegnen sie Mina. Sie ist über und über mit Blut verschmiert und sie ist ohne jegliche Erinnerung. Jette und Merle beschließen, sie erstmal bei sich aufzunehmen. Nach und nach entdecken sie jedoch beängstigende Seiten an ihr. Immer wieder schlägt ihre Stimmung um. Mal ist sie fast glücklich und lacht mit den Mädchen, doch dann verschließt sie sich plötzlich und zieht sich in die hinterste Ecke zurück. Tilo, Minas Therapeut und der Freund von Jettes Mutter, beschäftigt sich intensiv mit dem Mädchen.
Nachdem die Polizei zwei männliche Leichen aus Minas Umfeld gefunden hat, deutet alles darauf hin, dass sie die Mörderin ist, denn beide Male wurde sie bei den Leichen gefunden, aber Jette möchte das nicht wahrhaben und versteckt Mina vor der Polizei, ohne zu ahnen, dass noch jemand hinter Mina her ist. Die Gefahr ist zum Greifen nahe, denn nicht alle wissen, wer Mina wirklich ist.

Meine Meinung:
Band III der Reihe wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt. Dabei nimmt fast jede Hauptperson eine erzählende Haltung ein. Die Protagonisten berichten aus der Ich-Perspektive das Geschehen. Somit wird eine Vertrauensbasis aufgestellt, die es dem Leser ermöglicht, in die Gedanken zu schlüpfen und dann zu entscheiden, wie der Charakter bewertet wird. Da mir Merle, Jette und ihre Familie bereits bekannt sind, fällt die Entscheidung vor allem zwischen Mina und Ben, einer engen Bezugsperson Minas. Jette und Merle waren mir von Anfang an sympathisch und auch in diesem Teil mag ich sie unglaublich gerne. Die beiden haben etwas an sich, dass sie liebenswert macht. Und auch Mina gehört dazu. Sie ist nicht die, für die alle sie halten und nachdem ich die Wahrheit erfahren habe, fiel es mir umso leichter, sie in mein Herz zu schließen. Ben dagegen rutscht bei mir allerdings schon sehr früh auf die negative Seite, wobei es anfangs noch gar keinen Grund dazu gibt. Es ist lediglich ein Gefühl, was sich später jedoch als richtig erweisen soll...

Die Autorin spielt in diesem Buch auf ein Thema an, welches mir noch nie zuvor begegnet ist. Die dissoziative Identitätsstörung. Klar habe ich davon schon mal gehört, aber nach dieser Lektüre musste ich mich damit erstmal genauer auseinandersetzen. In diesen Momenten bin ich froh, kein Psychologe zu sein. Ein solch komplexes Thema, welches auch noch in der Geschichte des Buches eine tragende Rolle spielt, ist nicht zu unterschätzen. Die Geschichte ist wunderbar gelungen und die Art, wie das Thema umgesetzt wurde, ist klasse. Die Person, die diese Störung hat und somit multipel ist, ist Mina, wie eigentlich schon zu erwarten war. Sie besteht also aus vielen Persönlichkeiten, die alle einen anderen Charakter haben und sogar unterschiedlich aussehen. Zudem können sie weiblich, als auch männlich sein. Da gibt es zum Beispiel Cleo, Marius oder die kleine Clarissa. Sie alle haben ein anderes Alter, sehen verschieden aus und sprechen anders. Cleo ist stark, weshalb sie auch die Kämpferin genannt wird. Ihr möchte man lieber nicht begegnen. Auch Marius ist stark und er lässt sich nichts sagen. Clarissa dagegen ist gerade erst fünf Jahre alt, sie lispelt und hat große Angst vor Katzen.

Wenn man die Lektüre liest, ist es fast unmöglich, alles aufzunehmen. Dennoch kann man der Geschichte ohne Probleme folgen. Die Charaktere sind durchsichtig, alles ist klar aufgeteilt.

~ Facettenreich erzählt die Autorin eine spannende, gefühlvolle und aufweckende Geschichte. ~

Neben Mina sind aber auch Jette und Merle wichtige Personen. Die beiden scheinen das Unglück magisch anzuziehen und manövrieren sich zum dritten Mal in ein Ereignis hinein, welches sie in große Gefahr bringt. Dadurch, dass sie Mina bei sich aufnehmen, die von ihrem Zuhause geflohen ist und zudem noch multipel ist, werden sie zur Zielscheibe von Ben, der Mina um jeden Preis haben möchte. Die Vergangenheit, die Mina und Ben haben, ist schrecklich, denn sie sind in einer Glaubensgemeinschaft aufgewachsen und waren dort den Schlägen ausgesetzt. Merle und Jette jedoch sind eigentlich ganz normale Mädchen. Sie interessieren sich sehr für den Tierschutz und Jette arbeitet gerne im Heim für Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Die Tatsache, dass Jette bereits zweimal in Gefahr schwebte und dem Tod sehr nah gewesen ist, begleitet den Leser auch in diesem Band.

Nicht nur die Protagonisten geraten an ihre Grenzen. Auch der Leser empfindet die Gefühle der Hauptpersonen nach. Man möchte unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht und liest sich in einen Rausch. Zum Ende hin werden die Perspektiven immer kürzer. Die Gefühle gleichen einer Achterbahnfahrt. Die Autorin hat auf diesen Moment hingearbeitet und er ist perfekt. DieSpannung steigt und dann sind es nur noch wenige Seiten bis zum Schluss. Diese werden ausgekostet. Aber natürlich gibt es ein Happy End.

Résumé:
Auch beim zweiten Mal lesen gefiel mir das Buch sehr gut. Es ist spannend und gefühlvoll. Der Charakter der Protagonisten wird auf den Punkt gebracht und gefesselt klebt der Leser an der Geschichte. Ein wunderbares Lesevergnügen! ~ 6 Lesezeichen

Marie

Keine Kommentare:

Schreibe einen Kommentar