12. Januar 2014

[Rezi] Das Spiel des Engels – Carlos Ruiz Zafón

Titel: Das Spiel des Engels
Originaltitel: El Juego del Ángel
Autor: Carlos Ruiz Zafón
Verlag: Fischer
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Fantasy, Liebe
Band: Einzelband
ISBN: 978-3-596-18644-0
Lesevergnügen: 711 Seiten
Preis: 10,95€
Einband: Taschenbuch
Bewertung: 6 Lesezeichen

Erster Satz:
"Ein Schriftsteller vergisst nie, wann er zum ersten Mal für eine Geschichte ein paar Münzen oder Lob empfangen hat."

Inhalt:
Nach dem Tod seines Vaters lebt der junge Autor David Martín ein beschauliches Leben in Barcelona. Für eine Zeitung schreibt er regelmäßig Schauergeschichten, die großen Anklang in der Gesellschaft finden. Ebenfalls besucht er oft die Buchhandlung Sempere und Söhne, die er nicht mehr missen möchte, seit dem Tag, an dem er sein einziges Buch dort versteckt hatte, aus Angst vor seinem Vater. Tag und Nacht schreibt er an seinen Romanen, ungeachtet seiner Gesundheit. Als er Cristina kennen lernt, verfällt er ihr, sie heiratet jedoch einen anderen Mann und scheint somit für immer für ihn verloren.
Dann  jedoch erhält er einen Brief mit dem Zeichen eines Engels auf dem Siegel. Der mysteriöse Verleger Andreas Corelli unterbreitet ihm ein Angebot, welches er nicht ausschlagen kann. Nach jahrelanger Arbeit in einem dunklen Haus, fordert sein Körper nunmehr seinen Tribut. In seinem Kopf hat sich ein Geschwür gebildet und er weiß, dass er nicht mehr lange leben wird, doch genau das Gegenteil wünscht er sich: leben. Corelli, für den David ein religiöses Buch schreiben soll, erfüllt ihm diesen Wunsch, sodass er sich ganz den Wünschen des Auftraggebers hingeben kann.
Doch schon bald kommen David erste Zweifel, ob er die richtige Entscheidung getroffen hat oder er nicht Opfer eines Komplottes geworden ist, dem schon ganz andere verfallen sind. Immer mehr Rätsel treten auf und immer mehr Tote im alten Barcelona ziehen die Kreise enger um David. Es scheint, Andreas Corelli habe seine Hände mit im Spiel, wie er vermutet hat und seine Freunde, werden plötzlich zu Feinden.
Der junge Autor versucht einen alten Todesfall aufzuklären und gerät dadurch selber in Gefahr. Nun muss er nicht nur um sein eigenes Leben fürchtet, sondern auch um das seiner großen Liebe Cristina.

Meine Meinung:
"Schon früh waren Papier und Druckerschwärze meine einzigen Freunde. In der Schule hatte ich viel eher lesen und schreiben gelernt als die anderen Kinder des Viertels. Wo meine Kameraden auf den Seiten bloß aufgedruckte Farbe sahen, entdeckte ich Licht, Straßen und Menschen." – S. 54
Das Spiel des Engels ist ein großartiger Roman, in dem ich Licht, Straßen und Menschen sehe. Ein gutes Buch erkennt man, wenn man es ausgelesen hat und einem die Protagonisten immer noch real erscheinen. Sie entspringen den wunderbaren Seiten eines Buches und gehen am Ende nicht wieder hinein, sondern verweilen draußen in den Gedanken des Lesers. Er vergisst, was um ihn herum geschieht und möchte das Buch am liebsten gleich noch einmal lesen und danach noch einmal und immer und immer wieder.

Carlos Ruiz Zafón überraschte mich bereits in anderen Büchern, wie Der Schatten des Windes oder Der Fürst des Nebels mit seinem großen Talent, die richtigen Worte zu finden und somit den Leser zu fesseln. Auch in dieser Lektüre hat er mich überrascht und mir gezeigt, dass ein Schriftsteller nicht nur ein wahnsinnig gutes Buch schreiben kann, sondern gleich mehrere. Einige Jahre lang stand das Buch unberührt in meinem Regal. Ich war überzeugt davon, nachdem ich Der Schatten des Windes gelesen hatte, dass es ein solch gutes Buch nicht zweimal geben kann. Ich war überzeugt davon, ein Exemplar in den Händen zu halten, welches nicht einmal annähernd an das andere herankommen würde, aber dann, nachdem ich es einfach gegriffen hatte und zu lesen begann, konnte und wollte ich es nicht mehr weglegen. Ab der ersten Seite war ich begeistert von dem Schreibstil und der Geschichte, die eigentlich noch gar nicht richtig begonnen hatte.
Die Handlung entwickelte sich zu einer Geschichte, in der wirklich alles vorhanden war: Liebe, Hass, Trauer, Angst und Freude. Mit einer Mischung aus Spannung und Horror schreibt der Autor ein Buch, welches sich, nachdem man es gelesen hat, nicht mehr wegdenken lässt. Ein Buch über Bücher, ein Buch über die Seele eines Buches, ein Buch über Schriftsteller und ein Buch über vergessene Bücher.
"Artikel eins: Das erste Mal, wenn jemand herkommt, hat er das Recht, sich aus allen Büchern, die es hier gibt, nach Belieben eines auszusuchen. Artikel zwei: Wenn man ein Buch adoptiert, geht man die Verplichtung ein, es zu beschützen und alles zu tun, damit es nie verloren geht. Ein Leben lang." – S. 179
Wortgewaltig macht Carlos Ruiz Zafón seinem Leser klar, dass Bücher etwas Besonderes sind, etwas ganz und gar Wunderbares, welche es zu beschützen und zu wahren gilt. Ein Buch, in dem ebenso Bücher vorkommen, ist für einen Büchernarr etwas, was nicht fehlen darf, im eigenen Regal.

Der Protagonist David Martín weckt mit seiner Geschichte und seinen Taten schlafende Seelen und der Leser weiß, wenn er dieses Buch liest, was ihn antreibt, genau das zu tun. Obwohl die Handlung auf 711 Seiten aufbaut und auch erst im letzten Teil richtig spannend wird, habe ich das Buch in wenigen Tagen verschlungen und bin begeistert.
Die Kulisse ist einzigartig, ebenso wie die Hauptpersonen. David, aus dessen Sicht Das Spiel des Engels geschrieben ist, war mir gleich sympathisch und ich denke, jeder Leser kann sich mit ihm identifizieren.
"In der Buchhandlung saugte ich den Geruch nach Papier und Magie ein, den in Flaschen abzufüllen unerklärlicherweise noch nie jemandem eingefallen war." – S. 431
Auch hier spricht der Autor mir aus der Seele. Das Buch ist einfach grandios. Von der Geschichte bis zu den Protagonisten. Bis ins kleinste Detail ist alles genaustens durchdacht und dem Leser wird ein unvergessliches Buch dargeboten, welches er ergreifen muss und welches ihn ergriffen macht.

Das Spiel des Engels ist wahnsinnig gute Literatur. Wortgewaltig, spannend und voller Liebe schreibt Carlos Ruiz Zafón ein Buch für jede Leseratte.

Ich bin noch immer überrascht von der Handlung. Nachdem ich zunächst dachte, kein Buch könne an Der Schatten des Windes herankommen, so wird dieses Bild zunichte gemacht, spätestens, wenn man es zuende gelesen hat.

Résumé:
Garantiert das Monatshighlight Januar und wirklich weiterzuempfehlen. Wenn ihr begeistert seit von dem Autor, dann unbedingt lesen! Es stimmt einfach alles und ist ein grandioses Buch! ~ 6 Lesezeichen

Eure Marie

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