2. September 2012

[Rezi] Nach dem Sommer – Maggie Stiefvater

Titel: Nach dem Sommer
Originaltitel: Shiver
Autorin: Maggie Stiefvater
Verlag: script 5
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Roman+Liebe
Band: Band I
ISBN: 978-3-8390-0108-0
Seitenzahl: 421
Preis: 18,90€

Erster Satz:
Ich erinnere mich, wie ich im Schnee lag, ein kleines, warmes Bündel, das langsam kälter wurde.


Inhalt:
Grace wurde als kleines Kind von Wölfen gebissen und seitdem wartet sie jeden Tag auf ihren Wolf, der sie damals gerettet hat. Ihr Wolf mit den gelben Augen, den sie einfach nicht vergessen kann. Im Sommer wartet sie, im Winter wartet sie und dann kommt er. Nach sechs Jahren darf sie ihren Wolf anfassen, das wunderschöne Fell anfassen und seinen Moschusgeruch einatmen. Den Geruch nach Erde und Kiefern, nach Wald. Ihre Liebe zu den Wölfen kann sie nicht mit ihren Freundinnen Olivia und Rachel teilen, denn diese können sie nicht verstehen.
Als an ihrer Schule in Mercy Falls ein Unglück geschieht beginnt die Jagd auf die Wölfe. Niemand weiß wer sie wirklich sind und keiner darf es wissen, doch als plötzlich ein Mensch blutend vor Grace' Verandatür liegt, verändert dies ihr Leben, denn an den Augen erkennt sie, dass es ihr Wolf ist und er hat einen Namen – Sam. Sie erfährt, was und wer er wirklich ist, doch das schreckt sie nicht ab. In ihrem Haus übernachtet Sam ohne dass ihre Eltern etwas davon mitbekommen, die so gut wie nie zu Hause sind. Sie verlieben sich ineinander und können sich ein Leben ohne den anderen nicht mehr vorstellen, doch Sam weiß, dass es sein letzter Sommer sein wird in dem er Grace sehen kann. Im Sommer verwandeln sie sich in Menschen und im Winter, wenn es so kalt wird wieder in Wölfe. Auch Grace weiß dies, aber sie tut alles, damit ihr Sam noch bei ihr bleiben kann und sie noch mehr Sommer miteinander verbringen können. Sie weiß, dass sie die Verwandlung nicht aufhalten kann und trotzdem setzt sie alles daran.
In ihrer Liebe zu Sam verliert sie allerdings den Draht zu ihren besten Freundinnen. Dann lernt sie Beck kennen, den Rudelführer und plötzlich scheint ihre kleine Welt aus dem Ruder zu laufen, denn es wird immer kälter und Sam's Verwandlung ist nun nicht mehr aufzuhalten. Grace gibt nicht auf ihren Sam zu retten, doch sie muss nicht nur einen Wolf retten.

Meine Meinung:
"Du bist traurigschön", sagte ich schließlich, ohne ihn dabei anzusehen. "Wie deine Augen. Du bist wie ein Lied, das ich als Kind kannte und dann wieder vergessen habe, bis ich es auf einmal wieder hörte." Eine Weile war es still, bis auf das Surren der Räder auf der Straße. "Danke", sagte Sam leise. – S.228
Maggie Stiefvater erzählt in diesem Buch eine Geschichte über Wölfe, die man nicht mehr weglegen möchte. Jeder kennt Wölfe als Jäger und gefährliche Tiere, doch hier wird man von Gegenteil überzeugt und man glaubt daran, während man es liest. Eine Geschichte die uns von der ersten Seite an bezaubert. Unter jeden Kapitel ist die Temperatur angegeben und lässt den Leser zittern, denn hier ist die Temperatur und nicht der Vollmond für die Verwandlung verantwortlich, was für mich neu und deshalb auch spannend war.
Nach dem Sommer habe ich nun zum zweiten Mal gelesen und zuerst war ich mir nicht sicher, ob die Geschichte den Reiz besitzt, zweimal gelesen zu werden, doch ich hätte mir darum keine Sorgen machen müssen. Auch jetzt noch bin ich zu besessen von dem Buch, als das ich es hätte weglegen können:

Wer es einmal liest, wird es auch noch ein zweites Mal und ein drittes und viertes Mal lesen!

Eine so traurige Geschichte, die aber doch so schön ist und das ist mir auch in der Textstelle aufgefallen. Grace bezeichnet Sam als "traurigschön" und genauso würde ich das Buch beschreiben. Eine fantastische Geschichte und ein ebenso fantastischer Schreibstil der einem das eigene Leben vergessen lässt. Man taucht geradezu in die Geschichte ab und möchte am liebsten gar nicht mehr auftauchen. So voller Emotionen. Einige Stellen dagegen sind mit einer Ernsthaftigkeit geschrieben, die man am ganzen Körper spürt:
Mom wies mit dem Zeigefinger auf ihn. "Das wird's sein." Dann strahlte sie, knipste wieder mal ihr Hundertwattlächeln an, um jeden sozialen Fauxpas auszugleichen, den sie soeben begangen haben mochte. – S.247
Hier merkt man sofort, wie der Fauxpas ausgeglichen wird und man muss selber schmunzeln.
Die Charaktere der Protagonisten sind sehr gut gewählt und das ist ein weiterer Punkt, der mir an dem Buch so sehr gefallen hat. Grace wäre nicht Grace, wenn sie nicht um Sam kämpfen würde oder Isabel wäre nicht sie, wenn sie nicht doch hinter der harten Fassade einen weichen Kern hat.
Ein so gutes Buch mit so fantastischen Protagonisten hält man nicht jeden Tag in den Händen und dann will man es nicht mehr loslassen.
Ich habe die anderen beiden Teile noch nicht, doch ich brenne auf das Ende der ganzen Liebesgeschichte und werde sie mir wahrscheinlich von einer Freundin oder aus der Bücherei ausleihen, denn bis Weihnachten kann ich einfach nicht mehr warten. Zu gerne möchte ich wissen, was mit Grace und Sam passiert.
Das Cover ist in einem leichten orange gehalten, wobei das Profil von Grace und Sam sehr gut zur Geltung kommt. Wunderschön!

Fazit:
Wer gerne eine Liebesgeschichte hätte und Spannung, der ist hiermit genau richtig bedient. DIe Charaktere, die Geschichte, die Atmosphäre, das Cover – es passt einfach alles... ~ 5 Lesezeichen.

Lucian

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