24. August 2012

[Rezi] Die Stadt der Träumenden Bücher - Walter Moers

Titel: Die Stadt der Träumenden Bücher
Autor: Walter Moers
Verlag: Piper
Erscheinungsjahr: Dezember 2011 (21. Auflage)
Genre: Roman/Fantasy
Band: Teil I
ISBN: 978-3-492-24688-0
Lesevergnügen: 476 Seiten
Preis: 12,95€
Einband: Taschenbuch
Bewertung: 6 Lesezeichen

Erster Satz:
"Hier fängt die Geschichte an."

Inhalt:
Der junge Dichter Hildegunst von Mythenmetz erbt von seinem Dichtpaten Danzelot von Silbendrechsler ein Manuskript, dass keinerlei Makel besitzt. Um herauszufinden, wer dieses wunderbare Exemplar geschrieben hat, begibt er sich nach Buchhaim, in die Stadt der Träumenden Bücher. Eine Welt voller Bücher, wo allein mit Büchern Geld gemacht wird, eine Stadt, in der sich alles nur um Bücher dreht, eine Stadt, die sein Verhängnis wird. Dort angekommen sucht er einige Bibliotheken und Antiquariate auf, doch diese können ihm nicht weiterhelfen. Sie alle regieren auf das Manuskript äußerst sonderbar und werfen ihn hinaus, doch nicht so Claudio Harfenstock. Dieser schickt ihn zu einem Antiquar namens Phistomefel Smeik und damit fängt die Geschichte an. Der anfangs noch sehr nette Smeik wird Mythenmetz immer unheimlicher und mit seiner Vorahnung soll er Recht behalten. Als er das Manuskript vorlegt, scheint Smeik wirklich interessiert und erfragt einen Tag Zeit um herauszufinden, von wo das Manuskript kommt und wer der Autor ist, doch schon am nächsten Tag ist die friedliche Atmosphäre wie weggeblasen, denn Smeik überreicht Mythenmetz eines der Gefährlichen Bücher, welches mit Toxingift versehen ist und so landet Hildegunst von Mythenmetz in den Katakomben von Buchhaim, einem unterirdischen Labyrinth, in dem Kreaturen lauern, die nicht sehr wohlgesinnt sind und es auf Mythenmetz abgesehen haben. Immer und immer weiter dringt er in die Katakomben vor, bis er schließlich in Unhaim, der Müllhalde der Katakomben, angelangt ist. Nun glaubt er, ganz unten zu sein, doch er erkämpft sich einen Weg nach oben.
Allerdings gibt es nicht nur gefährliche Tiere in den Katakomben. Da sind auch noch die Buchlinge, die, wie Mythenmetz scheint, ziemlich komisch sind. Diese zeigen ihm die Lederne Grotte und bringen ihm das Ormen bei. Er fühlt sich wie zu Hause und bringt den Buchlingen großen Respekt ein. Nach einem Angriff der Bücherjäger gelangt er durch den Bahnhof der Rostigen Gnome zum Schattenkönig, dem gefürchtetsten aller Ungeheuer und was er dort erlebt übertrifft seine Vorstellungskraft. Dieser erzählt ihm seine Geschichte und wie er zu dem geworden ist, für den alle ihn halten. Hildegunst von Mythenmetz ist bestürzt. Soll wirklich Phistomefel Smeik den Schattenkönig erschaffen haben? Aber wieso, fragt sich Mythenmetz. Auch darauf hat der Schattenkönig eine Antwort. Nun begreift er endlich wieso er mithilfe des Gefährlichen Buches in die Katakomben verfrachtet wurde und plötzlich ergibt alles einen Sinn, doch nun stellt sich die elementarste Frage: Wie kommt Mythenmetz wieder nach Buchhaim? Das Labyrinth kann er alleine nicht verlassen, so viel steht schon mal fest, doch kann er auf die Hilfe vom Schattenkönig zählen und was ist mit den Buchlingen?

Ort des Geschehens:
Die Stadt der Träumenden Bücher spielt in Zamonien. Dazu gehören ebenfalls Buchhaim (die Stadt der Träumenden Bücher), die Lindwurmfeste (auf der Hildegunst von Mythenmetz lebt) und auch das Labyrinth von Buchhaim, die Katakomben. Walter Moers schenkt uns eine Welt, die schön und schrecklich zugleich ist. Es ist unglaublich, was der Autor und in diesem Buch berichtet.

Meine Meinung:
"Nein, Dichtung ist nicht für die Ewigkeit", rief Homunkoloss. "Sie ist für den Augenblick. Und sollte man Bücher aus Stahl fertigen, mit Buchstaben aus Diamanten, sie würden dereinst zusammen mit diesem Planeten in die Sonne stürzen und schmelzen – etwas Ewiges gibt es nicht. Schon gar nicht in der Kunst. Es kommt nicht darauf an, wie lange eines Dichters Werk noch dahinfunzelt, nachdem er schon gestorben ist – es kommt darauf an, wie hell es brennt, während er noch lebt." – S.384
Eine Textstelle dieses Buches, die mich besonders berührte, die der Wahrheit entspricht. Walter Moers zaubert in diesem Buch eine Welt, die den Lesern noch vollkommen unbekannt ist – Buchhaim, die Stadt der Träumenden Bücher und daher hat das Buch auch seinen Titel. Die Stadt der Träumenden Bücher. Ein passender Titel für ein solches Buch und zusammen mit dem wunderschönen Cover verspricht es einem eine Welt voller Bücher. Bücher überall, im Regal, auf dem Boden, Lebende Bücher, Gefährliche Bücher, Träumende, Schlafende Bücher. Bücher, die sogar töten können verspricht der Klappentext und es stimmt. Die Stadt der Träumenden Bücher hält sein Versprechen, denn es handelt fast ausschließlich von Büchern.
Hat man das Buch zu Ende gelesen, denkt man über die eigenen Bücher nach und weiß, was man für wunderbare Schätze hat.
Ich habe mir das Buch schon vor langer Zeit gekauft, doch bis jetzt war ich trotz guter Meinungen nicht wirklich überzeugt, es lesen zu wollen. Dann habe ich mich aber schließlich doch dazu aufgerafft und es ist einfach fantastisch. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und großer Enttäuschung nun die bittere Wahrheit – das Buch ist zu Ende. Anfangs konnte ich mit den Protagonisten herzlich wenig anfangen und war sehr enttäuscht über deren Art. Alles Tiere, die ziemlich schräg sind, Maden, Buchlinge, Bücherjäger mit Masken, der Schattenkönig. Ich wollte nicht mehr weiterlesen, doch ich habe es getan und ich bin so froh. Kurz vor Beginn des zweiten Teiles gab es eine Textstelle, die mich unglaublich fesselte:
"Seite 333. Jetzt hatte ich sie aufgeschlagen. Hier stand tatsächlich etwas, in sehr kleinen Buchstaben. Ich legte meine Hand auf das Papier, kniff die Augen zusammen und sah noch näher hin. Eine seltsame Kühle ergriff meine Fingerspitzen. Auf dieser und der gegenüberliegenden Seite stand immer wieder der gleiche Satz: Sie wurden soeben vergiftet." – S.153
Dies war für mich der erste wirkliche Spannungskitzel und dann gab es für mich kein Halten mehr. Ich inhalierte das Buch. In diesem kleinen Abschnitt ist so viel Humor drin und nun wusste ich, dass ich es zu Ende lesen werde. Der Humor, mit dem Walter Moers seine Bücher schreibt ist genial, einfach grandios und ich hatte schon lange nicht mehr ein so gutes Buch in den Händen. Auf den ersten Blick erkennt man diesen Humor nicht gleich, doch wenn man weiter gelesen hat, wird er immer klarer und du kannst den Protagonisten nachempfinden. Wie sie weinen, lachen, singen, schreien, einfach alles, was sie in dem Moment tun, indem du es liest.
Man kann nicht mehr aufhören, an dieses Buch zu denken, bis man es durchgelesen hat und nun wartet man nur noch darauf, neue Figuren kennenzulernen und deren Art.
Ebenfalls bin ich im Buch auf einen Absatz gestoßen, der auch auf Walter Moers zutrifft:
"Orca de Wils war ein geistreicher Plauderer, in dessen Gegenwart man sich immer auf höchstem Niveau unterhalten fühlte. Er war überhaupt nicht in der Lage etwas Beiläufiges oder Banales zu sagen, jeder einzelne seiner Sätze war ein geschliffener Aphorismus oder ein brillantes Aperçu." – S.272f.
Ein Aphorismus ist ein sehr geistreich und prägnant formulierter Gedanke und ein Aperçu eine geistreiche Bemerkung. Dieses Buch wimmelt nur so davon.
Auch die Art, wie Walter Moers Anfang und Ende schreibt ist fantastisch, denn er baut die Erläuterung dessen ebenfalls in das Buch ein. Ein scheinbar unwichtiger Punkt wird Teil der Geschichte und das ist ihm sehr gut gelungen.
Nun warte ich gespannt auf den zweiten Teil Das Labyrinth der Träumenden Bücher.

Résumé:
Ein geniales Buch und unbedingt empfehlenswert für diejenigen, die von Literatur einfach nicht genug bekommen können und für diejenigen, die im Paradies versinken möchten. Ein Muss auch für alle Fantasy-Fans. So ein Erlebnis hat man nicht oft und auch nach anfänglichen Schwierigkeiten trotzdem grandiose 6 Lesezeichen. Ich hoffe, ich habe euch ein wenig neugierig gemacht.

Marie

Kommentare:

Jimmy

Oh wow, du bist ja wieder da. Ich habe ja so ewig nichts von dir gehört. Gerade vor kurzem musste ich an die Reiterferien denken und habe überlegt, ob ich dir mal wieder einen Brief schreibe - aber irgendwie kam es nicht dazu.
Das Buch, das du da gerade gelesen hast, gehört mit zu meinen zwei Lieblingsbüchern überhaupt :)

Gruß und Kuss,

Jimmy

Lucian

Ja, bin wieder da :) Ich habe auch schon richtig lange nichts mehr von dir gehört, aber ich habe dir immer Briefe geschrieben, aber da kam irgendwie nichts zurück und der letzte kam dann wieder zu mir zurück und dann hab ich das erstmal gelassen, weil ich dich auch irgendwie nicht erreicht habe um zu fragen, wie die Adresse ist... kannst sie mir ja nochmal per Mail schicken oder so oder einen Brief schreiben :)
Dieses Jahr bin ich nicht auf dem Reiterhof, weil ich noch eine Kursfahrt habe und beides ist dann zu teuer. Mal sehen, ob ich nächstes Jahr nochmal fahre :)

Ja, ich glaube das Buch gehört auch zu meinen Lieblingsbüchern neben "Die Bücherdiebin" und "Lucian" und noch einigen anderen :)

Liebe Grüße, Lucian

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