22. August 2010

[Rezi] Lucian – Isabel Abedi

Titel: Lucian
Autorin: Isabel Abedi
Verlag: Arena
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Roman
Band: Einzelband
ISBN: 978-3-401-06203-7
Seitenzahl: 549
Preis: 18,95€

Erster Satz:
Der Mittwochabend gehörte uns, Janne, Spatz und mir.

Inhalt:
Rebecca verbringt jeden Mittwochabend zusammen mit ihrer Mutter Janne und deren Freundin Spatz. Einer der dreien bestimmt, was an diesem Abend unternommen wird, einzige Bedingung: Es darf nichts kosten und es muss etwas sein, was alle zusammen machen. Janne ist an der Reihe und sie bestimmt, dass ausgemistet wird.
Auf einmal spürt Rebecca etwas in ihrem Inneren, ein feiner Riss und es blieb ein Gefühl von Leere in ihr zurück. Zum ersten Mal begegnet sie Lucian in dieser Nacht, unter der Laterne auf der gegenüberliegenden Straßenseite, die sie von ihrem Zimmer aus sehr gut überblicken kann. Doch das wird nicht die einzige Begegnung bleiben. Immer wieder scheinen sich die beiden anzuziehen. Auf der Party ihrer besten Freundin zieht es sie zum Falkensteiner Ufer. Dort trifft sie Lucian und sie beginnen noch recht unbeholfen ein Gespräch.
Im Laufe der Zeit lernt Rebecca den sonderbaren Jungen immer näher kennen und merkt, dass er anders ist – er hat keine Handlinien. Seine Hände sind glatt. Außerdem kann er sich scheinbar an nichts aus seiner Vergangenheit erinnern, doch er hat Träume. Träume, die immer etwas mit Rebecca zu tun haben. Träume aus der Vergangenheit und auch Träume aus der Zukunft. Es scheint ein Band zwischen den beiden zu geben, doch erst ihr Englischlehrer und die weite Entfernung zu Lucian bringen die Wahrheit ans Licht. Lucian ist nicht nur ein Freund für Rebecca, er ist viel mehr als das.

Meine Meinung:
"Es fühlte sich an wie ein hauchfeiner Riss tief in meinem Inneren. Er war kaum wahrnehmbar, als ob mir jemand mit der Pinzette ein Härchen ausgerupft hätte, das nach innen gewachsen war. Ein kurzer Ruck, dann war es vorbei. Was blieb, war ein sonderbares Gefühl von Leere, die ich nicht deuten konnte." – S. 17
Als Rebecca dies fühlt, ist sie Lucian ganz nah. Es ist der Moment, in dem Lucian geboren wird. Dies ist der Beginn einer wunderbaren, aber auch traurigen Liebesgeschichte.
Die Protagonistin Rebecca erscheint sehr sympatisch. In der Schule ist sie fleißig, nur im Englischunterricht hat sie so ihre Probleme, denn Morton Tyger, ihr Englischlehrer, kann es nicht ausstehen, dass Rebecca zwar sehr gut Englisch spricht, jedoch amerikanisches und kein britisches. Dies lässt er sie dann auch jede Stunde spüren. Ihr Vater wohnt in Los Angeles und besitzt ein Ferienhaus in Kalifornien am Lake Nacimiento. Mit ihrer Mutter wohnt sie in Hamburg. Auf ihre beste Freundin Suse kann sie sich hundertprozentig verlassen und auch ihr bester Freund Sebastian ist ihr sehr wichtig. Umso erschreckender ist es, als Lucian plötzlich in Rebeccas Leben auftaucht und es total durcheinander bringt. Sie erlebt eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Liebe, Zuneigung, Verlangen, Hass, Schmerz, Erleichterung.
Die Autorin bringt die Gefühle wunderbar herüber und scheibt in einem schönen Stil, welcher den Leser anzieht. Bereits auf den ersten Seiten wird die Handlung aufgenommen und bis an das Ende weitergeführt. Gespannt macht sich der Leser auf eine Reise, die man sich im Geheimen auch selber wünscht. Die Geschichte ist spannend, lustig, aber auch traurig. Liebevoll schreibt Isabel Abedi eine Liebesgeschichte wie sie schöner nicht hätte sein können.
Die Charaktere sind eng miteinander verbunden und ziehen sich durch das gesamte Buch. Dies gefällt mir sehr. Sie sind jeder auf seine Art sympatisch. Die Verbindung zu Rebecca ist auch zu ihrem Englischlehrer näher als gedacht.

Der Leser kann sich wunderbar in die Gefühle der Protagonisten hineinversetzen.
"Rebecca Wolff leitet die heutige Englischstunde mit den Worten Leck mich ein." Tygers helle Augen fixierten mich. "Was heißt Leck mich auf Englisch, Rebecca?" Kiss my ass, dachte ich und bemühte mich um einen gleichmütigen Gesichtsausdruck. "Eat my shorts", kam es von hinten. – S. 30
Eine der eher witzigen Textstellen, die bei mir das Verlangen ausgelöst haben, laut loszulachen, aber auch diese Textstelle, brachte Auflockerung in die Handlung:
"[...] schrieben auf dem Handy von Suses Mutter einen Hilferuf an deren Steuerberater. Die beiden hatten seit einem halben Jahr ein Verhältnis miteinander [...] und Suse hasste den Neuen ihrer Mutter wie die Pest. "Liebling, mein Auto hat eine Panne", diktierte sie mir, weil ich schneller tippen konnte. "Ich stehe an der Raststätte, erste Ausfahrt nach Hannover. Der ADAC kommt erst in drei Stunden. Kannst du mich retten? Ich verzehre mich nach dir. Dein Schneckchen." [...] Bin unterwegs. Rühr dich nicht vom Fleck, die Rettung naht. Dein Zahlenhengst." – S. 39
Der Humor ist, wie Suse es ausgedrückt hätte galaktisch und die Worte Schneckchen und Zahlenhengst sprechen Bände. Im weiteren Verlauf der Handlung wird darauf noch einmal Bezug genommen.

Isabel Abedi hat mit diesem Buch einen Bestseller geschaffen, den ich bereits zum fünften Mal gelesen habe und es kommt mir vor, als wäre es das erste Mal gewesen. Immer wieder stolpert man über Kleinigkeiten, die man davor übersehen hat und versteht die Zusammenhänge besser.

Über das Ende möchte ich nicht viel preisgeben, nur so viel: es ist ein wunderschönes Ende und mir sind die Tränen gekommen.

Fazit:
Ein spannender Roman! Auch nach fünfmaligem Lesen noch wunderschön. Gefühlvoll bringt die Autorin eine Geschichte an den Leser, wie sie besser nicht hätte sein können. Absolut empfehlenswert! ~ 6 Lesezeichen.

Eure Lucian

Keine Kommentare:

Schreibe einen Kommentar